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Kirche in WDR 3 | 03.08.2026 | 07:50 Uhr
Goldmedaille
Guten Morgen
Der Führer ärgert sich schwarz. Nein, das nun nicht. Er ärgert sich braun. Na, das ist er ja schon. Der Führer ärgert sich grün und blau?
Wir sagen`s anders. Es bringt den Führer zur Weißglut, als Jesse Owens, der amerikanische Sprinter und Weitspringer heute vor 90 Jahren bei Olympia in Berlin die Goldmedaille auf der 100m-Strecke gewinnt.
Owens – ein african american – siegt. Und das am ersten Tag der Spiele, vor den Augen der Welt und im randvollen Stadion. Eben noch hatten sie Sieg Heil gebrüllt – als Hitler mit anderen Nazi-Größen die Tribüne betreten hatte – und jetzt bejubeln sie diesen Schwarzen. Ob ein so großes Land wie die USA nicht genug weiße Sportler habe, soll Hitler geätzt haben. Es heißt Hitler hätte Owens bei der Siegerehrung nicht die Hand schütteln wollen. Aber das ist fraglich.
Am nächsten Tag tritt Owens beim Weitsprung gegen Luz Long (Carl Ludwig Hermann „Luz“ Long), den deutschen Vorzeige-Athleten an und gewinnt. Luz Long gratuliert Owens sehr selbstverständlich, umarmt ihn gar, plaudert lang und gut gelaunt mit ihm und lässt sich dabei fotografieren. Und das ‚Schlimmste‘: die Zeitungen schreiben über diese schöne Freundschaft und über den Respekt Longs für den Sieger.
In einem Interview erzählt Long damals, wie er Owens Sieg erlebt hat: „Frei von [… A]ngst springt er, fliegt und landet […] bei 8,06 Metern. Diese fast märchenhafte Weite […] Ich kann nicht anders, ich laufe zu ihm, bin der Erste, der ihn beglückwünscht, umarmt. Er antwortete: ‘You forced me, to give my best!’ [übersetzt heißt das: Du hast mich angespornt, mein Bestes zu geben.] Das ist für mich die höchste Anerkennung eines Sportsmannes“. (1)
Und Jesse Owens selbst sagt einmal über diese Begegnung: „Selbst wenn man alle meine Medaillen und Pokale einschmelzen würde, könnten sie die […] Freundschaft, die ich in diesem Moment empfand, kein bisschen goldener machen. […]“ (2)
Nach Außen machen die Nazis gute Miene, aber später kriegt Long von Hitlers Stellvertreter persönlich einen Verweis und den Befehl nie wieder einen „N*“ zu umarmen.
Es gibt viele rührselig-fromme Legenden darüber, wie das Treffen mit Owens Long verändert haben soll. Aber es scheint, als sei da vieles später erfunden worden. Luz Long starb als Soldat in Hitlers Krieg.
Eine der Legenden ist: Als Luz Long Jesse Owens vor dem Rennen im stillen Gebet sieht, hat ihn das neu zum Glauben an Gott gebracht. Eine erfundene Geschichte, so als müsste Luz Long nun nachträglich doch noch ein Beinahe-Heiliger werden. Und als sei’s nicht mutig – und darin auch fromm genug - da, wo alles dagegenspricht, einfach Mensch zu sein und im andern den Mitmenschen zu sehen.
„Eure Freundlichkeit lasset kund werden allen Menschen. Denn Gott ist nahe“ – steht in der Bibel. (Philipper 4,4)
Einen freundlichen Tag wünscht Ihnen
Jan-Dirk Döhling aus Schwerte.
Quellen: (alle Links zuletzt abgerufen am 21.07.26)
(1) Michael Wulfinger, Kampf der Farben, Der Spiegel 04.2012, https://www.spiegel.de/sport/kampf-der-farben-a-3dc1b172-0002-0001-0000-000083679144.
(2) Oskar Beck, „Umarmen Sie nie wieder einen Neger“, DIE WELT (05.08.2013), https://www.welt.de/geschichte/article115747063/Olympia-1936-Umarmen-Sie-nie-wieder-einen-Neger.html
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
