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Kirche in WDR 2 | 27.10.2026 | 05:55 Uhr
Hoffnung leben – Flüchtlinge in Marokko
Autor: Sie kommen zu Tausenden nach Marokko. Aus dem Kongo, dem Senegal oder Burkina Faso. Die Flüchtenden. Ihre Hoffnung: Irgendwie weiter nach Europa.
O-Ton: In Marokko stellen sie erstens fest: sie sind Menschen ohne Papiere, sans papiers. Das heißt, sie sind Rechtlose. Und dazu kommt, dass diese Grenzanlagen in Marokko unüberwindbar sind.
Autor: Sagt Superintendent Jens Sannig aus Jülich. Sein Kirchenkreis unterstützt die Evangelische Kirche in Marokko. Der Pfarrer hat die illegalen Flüchtlingslager besucht, die immer wieder von der Polizei geräumt werden.
O-Ton: Wo dann eben die evangelische Kirche von Marokko versucht hat, sie zu unterstützen, indem sie in Plastik gebracht hat, aus denen sie primitive Zelte bauen können, wo sie Decken bekommen haben …
Autor: Über diese Nothilfe hinaus gibt es Projekte, die jungen Menschen helfen, in Marokko für sich selbst zu sorgen. Zum Beispiel das Zentrum „Hoffnung leben“ in Kenitra. Jeweils zehn Jugendliche können dort eine richtige Ausbildung machen.
O-Ton: Die haben dort gelebt in einer WG, und haben dort eine Ausbildung gemacht als Elektrotechniker oder so und hatten damit dann die Möglichkeit, auch in Marokko berufstätig zu werden.
Autor: Berichtet Jens Sannig. Er erinnert sich gut an die jungen Männer.
O-Ton: Sie waren so stolz auf sich, dass sie, auch wenn sie den Traum nicht verwirklichen, für ihre Familie nach Europa gehen zu können, aber dass sie es doch schaffen, auch dort in Marokko dann ein Leben führen zu können.
Autor: Die Besuche in Marokko haben auch den Glauben von Jens Sannig berührt.
O-Ton: Also für mich ist es noch mal deutlich geworden, was das bedeutet, wenn es heißt: Gott steht auf der Seite dieser Menschen. Was es bedeutet, dass er ihr Leiden mit durchleidet. Dass uns das nicht egal sein kann.
Autor: Über 4.000 Geflüchtete hat die Evangelische Kirche in Marokko im vergangenen Jahr unterstützt. Keine große Lösung für die vielen Geflüchteten in Afrika. Aber für einen jungen Menschen mit Angst und ohne Dach über dem Kopf kann ein Schlafplatz und ein offenes Ohr ein Anfang sein. Eine Schule besuchen und eine Ausbildung machen erst recht. Und manchmal beginnt Hoffnung genau so.
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
