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Hörmal | 05.04.2026 | 07:45 Uhr
Vom Zerbrechen zum Aufbrechen
Als ich ein Kind war, gab es in unserer Familie eine lustige
Tradition beim Osterfrühstück. Das Eierkitschen, so heißt es im Ruhrgebiet.
Immer zwei Menschen liefern sich am Frühstückstisch einen kleinen Wettkampf.
Jede Person hat ein hartgekochtes Osterei in der Hand. Und dann wird es
ernst:
Spitze gegen Spitze. Alle schauen gebannt zu. Ein Schlag, „Pock!“ –
und schon ist klar, welches Ei gewonnen hat. Eins bleibt heil. Das andere hat
einen Riss. Einen „Kitsch“.
Es ist nur ein Spiel. Und doch spüre ich bei jedem Schlag diese kleine Spannung: Hält es oder bricht es? Und plötzlich merke ich: Genau darum geht es an Ostern. Denn Ostern beginnt ja nicht mit einem strahlenden „Alles wird gut!“, sondern mit der Angst der Jüngerinnen und Jünger. Mit Trauer. Mit so vielen Dingen die nun zerbrochen erscheinen. Das überlagert die Hoffnung. Die Hoffnung, Jesus sei der Sohn Gottes, der, der alles gut macht, der für Frieden und Gerechtigkeit, für Liebe und Versöhnung, für Gesundung an Leib und Seele vieler sorgt.
Ostern beginnt – wie in vielen Osternächten gefeiert – mit der Dunkelheit der Nacht, mit der Frage, was hält jetzt. Ostern beginnt auch bei mir mit der Frage: Hält mein Glaube dem Druck stand? Hält meine Hoffnung oder bricht sie? Am Ostermorgen im Licht der aufgehenden Sonne geschieht etwas, womit niemand gerechnet hat: Das Grab bleibt nicht zu. Die Hoffnung nicht tot. Das Leben bricht nicht, es bricht auf. Es ist, als würde Gott selbst sagen: „Eure Hoffnung, Euer Glaube sind stärker, als ihr denkt. Sie halten. Weil ich euch halte.“ Mitten in dem Zerbrochenen unserer Welt, in gescheiterten Friedensverhandlungen, in den Scherben unerfüllter Lebenspläne, in zu Bruch gegangenen Beziehungen, all dem Kaputten um uns herum, lässt Gott die Macht des Todes zerbrechen und Hoffnung und neues Leben aufbrechen.
Beim Eierkitschen gewinnt das Ei, das unbeschädigt bleibt, aber das Gewinnersymbol trägt eigentlich das Ei mit dem Kitsch, mit den Rissen, das Symbol des Aufbrechens. Am Ostermorgen gewinnt der, der am Kreuz zerbrochen schien und doch stärker ist als der Tod. Denn Jesus hat es uns fest versprochen: „Ich lebe und Ihr sollt auch leben.“(1) Möge das Leben aufbrechen, heute und an jedem Tag.
Quellen:
(1) Die Bibel, Johannesevangelium 14,19
Redaktion: Landespfarrerin Julia-Rebecca Riedel
