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Kirche in WDR 4 | 08.01.2026 | 08:55 Uhr
Die Weisen sind gegangen
Guten Morgen.
„Die Weisen sind gegangen. Der Schall verklang, der Schein verging, der Alltag hat in jedem Ding nun wieder angefangen.“
Ein Lied von Gerhard Valentin. Es fängt die Stimmung nach den Festtagen gut ein. Draußen liegen schon seit Tagen die ersten abgeschmückten Tannenbäume am Straßenrand. Gestern ging es in den Schulen und Betrieben wieder los, und der Engelschor, der mich am Heiligen Abend noch so verzaubert hat, ist längst wieder verstummt. Auch die Weisen aus dem Morgenland sind mit ihrem Antrittsbesuch beim Jesuskind fertig. Also ab an die Arbeit, alles wieder ganz normal.
Das ist ja schon eigenartig - dieses Weihnachtsfest, auf das sich die Werbung gefühlt seit dem Ende der Sommerferien sorgfältig und von langer Hand vorbereitet hat. Für viele Menschen, nicht nur für Kinder, ist Weihnachten so etwas wie der Höhepunkt des Jahres. Und wenige Tage später ist von aller Festtagspracht und allem Lichterglanz nichts mehr übrig. Es scheint, als würden nicht nur die Bäume entsorgt, sondern auch das, was die Menschen noch vor wenigen Tagen so inniglich gefeiert haben. „Gott wird Mensch.“ Was bleibt übrig von der frohen Botschaft? Das Wunder im Stall von Bethlehem könnte in meinen Alltag hineinleuchten. Schon damals hat Jesu Geburt die Mühlen des Gewohnten einfach durchbrochen. Alle halten inne – werden still, freuen sich, an der Krippe.
Und jetzt – alles vorbei? In dem Lied von Gerhard Valentin geht es so weiter: „Kein Engel spricht, kein Schäfer rennt, und niemand beugt sich und erkennt die Größe und die Güte…“
Weihnachten ist ja das Fest der Liebe. Das höre ich jedenfalls immer. Aber wissen Sie, was es eigentlich ist? Ein Fest der Hoffnung. Davon erzählt zumindest die Weihnachtsgeschichte. Maria und Josef stehen vor so vielen verschlossenen Türen. Im Stall dann schöpfen sie Hoffnung. Genauso wie die Schäfer, die nachts auf dem Feld bei ihren Tieren sind. Und denen der Weihnachts-Stern am Himmel erscheint. Ein Licht durchbricht die Dunkelheit. Wie es schon viel früher vorhergesagt worden ist. Vom alten Propheten Jesaja: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht. Und über denen, die im finsteren Land wohnen, scheint es hell.“ Weihnachten erleuchtet die Herzen. Weihnachten weckt in den Menschen damals und in mir heute die Ahnung einer besseren, einer gerechteren Welt. Weihnachten weckt Hoffnung in mir.
Aber warum verliere ich das im Alltag so oft? Wenn mich Sorgen und Ängste quälen oder der Ärger über eine Nachricht mich auffrisst. Oder wenn ich frustriert feststelle: Ziel wieder nicht erreicht. Dabei hatte ich so gehofft, dass es diesmal klappt. Was ist denn Weihnachten für die Welt, in der doch immer noch gekämpft und gemordet wird? Was ist denn Weihnachten für alle, denen das Leben einfach zu viele Päckchen auf die Schultern packt?
„Was soll ich dazu sagen? Ich habe Vieles durchgemacht. Wem trau ich mehr? Der einen Nacht? Oder den vielen Tagen?“ So fragt Gerhard Valentin zum Schluss seines Liedes.
Weihnachten ist im Dezember. Aber ich stelle mir vor: Wie schön es ist, wenn Weihnachten gar nicht mehr aufhört. Wenn es mich durchs neue Jahr begleitet. Und ich nehme ernst, was die Engel am Heiligen Abend gesungen haben: „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“ Dann ist jeden Tag Weihnachten, und meine Hoffnung hört nie auf.
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5: )
Kommen Sie hoffnungsvoll in den Tag.
Ihr Pfarrer Thomas Fresia aus Köln.
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
