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Kirche in WDR 4 | 11.09.2026 | 08:55 Uhr
Tag der Wohnungslosen
Heute vor 25 Jahren stürzten die Flugzeuge in New York ins World- Trade-Center. Schrecklich waren damals die Bilder und natürlich die damit verbundenen Schicksale. Und das wird in den Medien sicher bedacht. Ich möchte jetzt aber auf etwas schauen, das heute eher weniger bedacht wird. Dabei sind die Bilder und die Schicksale in einer Stadt wie Köln nicht zu übersehen: Heute ist Tag der Wohnungslosen.
Dazu müssen wir mal kurz unterscheiden: Als „obdachlos“ werden die Menschen bezeichnet, die auf der Straße leben, oder im Wald. „Wohnungslos“ sind die, die zwar keine eigene Wohnung haben, aber irgendwie eine Bleibe: bei den Verwandten, in einer Notunterkunft oder auch im Wohnwagen nach Zwangsräumung.
Der heutige Gedenktag meint beide: Wohnungslose wie Obdachlose. Die Europäische Union hat ein ambitioniertes Ziel. Sie will die Obdachlosigkeit bis 2030 beseitigen. Denn Wohnen ist ein Menschenrecht, genauso wie Nahrung, Kleidung und Teilhabe am öffentlichen Leben.
Warum werden denn Menschen obdachlos oder wohnungslos? Meist sind es Schicksalsschläge, die sie aus der Bahn werfen. Eine Scheidung und der Verkauf des gemeinsamen Eigenheimes, der Verlust des Arbeitsplatzes, Drogen und Alkohol, schwere seelische Erkrankungen.
Ein Schicksalsschlag kann uns alle treffen! Also kann jede und jeder seine Wohnung verlieren.
Warum findet man denn nicht so schnell eine neue Wohnung? Zuerst einmal, weil es zu wenige gibt, vor allem in den Großstädten. Auf dem Land ist das manchmal besser. Bei uns in Deutschland leben rund sechzig Prozent der Menschen zur Miete, nur 40 haben Eigentum. Der niedrigste Wert in Europa. In Rumänien wohnen nur 5 Prozent als Mieter. Also gibt es eine große Nachfrage und ein kleines Angebot. Diese Ausgangslage freut alle, die mit Mieten Reibach machen wollen. Und viele Städte haben den Gesetzen des Kapitalismus beigegeben, indem sie die Wohnungen im kommunalen Eigentum verkauft haben. So hat sich Dresden im Jahr 2006 von fünfzigtausend Wohnungen getrennt. Inzwischen hat Dresden den Fehler erkannt und eine neue kommunale Wohnungsgesellschaft gegründet, die bisher 800 Wohnungen neu gebaut hat. Ähnliches geschieht zurzeit in Berlin. Insgesamt wird also umgedacht. Allerdings trennen sich noch immer große Firmen von ihren Werkswohnungen, um Kapital zu gewinnen.
Was kann man denn tun, um seine Wohnung zu sichern? Man sollte unbedingt Mitglied im Mieterverein werden! Obwohl ich kein Mieter bin, sondern als Pastor bis vor kurzem in einer Dienstwohnung gewohnt habe, bin ich aus Solidarität Mitglied im Mieterverein. Wie nützlich das ist, zeigt sich spätestens bei einem Konflikt mit dem Vermieter. Aber auch vorher erhält man kundigen Rat in allen Fragen rund um die Wohnung.
Es ist kein Naturgesetz, dass in unseren Gesellschaften Menschen wohnungslos werden, oder gar obdachlos. Schicksalsschläge, die dazu führen können, die werden auch weiter passieren. Wie sehr das soziale Netz dann trägt, liegt nicht nur an der großen Politik, sondern auch an uns.
