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„Der Alte“ und Bruder Klaus
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Kirche in WDR 5 | 25.09.2026 | 06:55 Uhr

„Der Alte“ und Bruder Klaus

War es so, wie der Ortspfarrer berichtet? Offiziell bestätigt hat „der Alte“ das nie. Aber: Wenn es stimmt, dann ließ sich Konrad Adenauer Ende August 1955 während seines Schweizer Sommerurlaubs nachts zum Grab von „Bruder Klaus“ fahren. Dessen Gedenktag ist heute. Und weil dieses Jahr 150 Jahre Adenauer gefeiert wird, spekuliere ich hier noch einmal etwas herum. Wer also war „Bruder Klaus“ und was machte Adenauer bei Nacht und Alpennebel an seinem Grab in Sachseln, am Sarnersee?

Nun, Bruder Klaus, oder wie er hochoffiziell heißt: Nikolaus von der Flüe, ist so was wie der Nationalheilige der Schweiz. Wie Wilhlem Tell – nur: Bruder Klaus gab es wirklich. Er hat im 15. Jahrhundert gelebt, war zunächst Soldat, dann führte er das Leben eines Alpenbauern. Vieh, Familie – 10 Kinder! – und ein Hof. Bis dahin: Alles normal. Dann bekommt er Depressionen und dann eine Vision. Bruder Klaus verlässt Familie, Hof und Vieh und siedelt um. Er wird Einsiedler. Ein Steinwurf vom Hof entfernt baut er seine Einsiedlerzelle, die „Ranft“. Betet von da an zu Gott. Und weil sowas ja kurios ist, zieht er bald Leute an. Bruder Klaus vermittelt zwischen den streitenden Parteien seiner Zeit. Der Einfluss von Bruder Klaus auf das Zusammengehen der „Eidgenossenschaft“ kann nicht groß genug geschätzt werden. Bis heute gilt Bruder Klaus als so eine Art nationaler Nothelfer für die Schweiz. Mehr noch: Papst Pius XII. hat ihn 1947 heiliggesprochen, direkt nach den Wirren des 2. Weltkriegs. Das machte ihn schlagartig bekannt – über die Grenzen der Schweiz hinaus.

Und das geschah zu der Zeit, als Adenauer Kanzler in Westdeutschland wurde. Während seines ersten Schweiz-Urlaubs hörte Adenauer von diesem besonderen Einsiedler, das war 1950. Vielleicht war Adenauer deswegen von ihm beeindruckt, weil er 1933 selbst fast wie ein Einsiedler lebte im Kloster Maria Laach, um sich dem Einfluss der Nazis zu entziehen.

Und schließlich das noch: die Sache mit den Kriegsgefangenen in „Moskau“. Der Eiserne Vorhang teilte Deutschland, teilte Europa. Und: hinter dem Eisernen Vorhang harrten Zehntausende Kriegsgefangene noch aus in der UDSSR. Das drückte auf der Seele der jungen Bundesrepublik. Adenauers Reise nach Moskau, im September 1955, gilt als einer seiner größten politischen Leistungen. Immerhin verhandelte er mit den „Sovjetts“ - wie er immer schneidig den „Systemfeind“ nannte.

Dass er vor dieser Reise großen Respekt hatte, ist bekannt. Dass der gläubige Katholik dafür auch religiöse Unterstützung annahm, nicht so sehr. Es ist gesichert, dass Adenauer in Moskau die einzig verbliebene katholische Kirche aufsuchte (eine Polnische) und eine Stunde kniend betete (davon gibt es Fotos und Augenzeugenberichte). Und Adenauer wusste auch: eine Gruppe aus dem Süddeutschen verharrte während der Zeit der Verhandlungen im Gebet – bei Bruder Klaus. Ob er tatsächlich kurz vor seiner Reise selbst bei Bruder Klaus um Fürsprache bat, das ist bis heute nicht eindeutig belegt: Der Ortspfarrer und Adenauers Fahrer haben das jedenfalls bezeugt. Klar ist, dass die 10.000 Kriegsgefangenen heimgekommen sind. Im Oktober 1955 stimmten sie spontan „Nun danket alle Gott“ an, als sie heil im Lager Friedland ankamen.

Bruder Klaus, egal, ob Du damals geholfen hast oder nicht: dieses kleine Stoßgebet an Deinem Gedenktag möchte ich loswerden: Bruder Klaus, hilf Europa. Schütze unser gemeinsames Haus. Damit alle Menschen Brüder werden – und Schwestern – in Frieden.

Klaus Nelißen aus Köln.


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