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Kirche in WDR 2 | 04.09.2026 | 05:55 Uhr
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Trauer
Was für ein Typ bist Du?
Im Supermarkt kommt sie Dir entgegen, die Nachbarin, die gerade ihren Mann verloren hat.
Gerade mal 60 ist er geworden. Mit dem Auto verunglückt. War sofort tot. Drehst Du Deinen Kopf zur Seite und biegst in den nächsten Gang ab?
Zu den Wasch-Spül-und Desinfektionsmitteln? Oder gehst Du auf sie zu? Grüßt sie freundlich, reichst ihr womöglich die Hand und sagst: Mein herzliches Beileid. Oder berührst Du nur im Vorbeigehen leicht ihren Arm, signalisierst so Deine Anteilnahme.
Zu kondolieren ist aus der Mode gekommen. Die Verunsicherung ist groß. Die Trauer der Trauernden auszuhalten, ist schwer. Sehr schwer.
Die Witwe erzählt: Was gar nicht geht ist, wenn Freunde, Verwandte, Kollegen etwas versprechen und es dann nicht halten. Wie «Ich möchte mal was für Dich kochen». Oder: «Ich helfe Dir, das Grab anzulegen.» Oder: «Wir können doch mal ein Wochenende an`s Meer fahren.» Erleben aber viele. Höre ich immer wieder. In meiner Selbsthilfegruppe. Große Worte und nix dahinter. Ja, so eine Selbthilfegruppe hilft wirklich. Unser Pfarrer lädt dazu ein. Da kann ich erzählen, wie es mir geht. Muss auf niemanden Rücksicht nehmen. Ob er das verkraftet, was ich sage. Dass ich nicht mehr weiß, wie ich weiterleben soll. Und die anderen verstehen mich. Die kennen das Gefühl. Und am Schluss spricht der Pfarrer immer ein Gebet. Ein sehr persönliches. Persönlich in dem Sinn, dass er auf jeden Einzelnen und seine Not, sein Bedürfnis, seine Hoffnung noch einmal eingeht.
Wer mir auch wirklich geholfen hat, ist
meine Schwägerin. Die ist jede Woche 150 Kilometer angereist und hat Essen gebracht – für die ganze Woche. Drei Monate lang. Das muss man sich mal vorstellen. Gott sei Dank kocht sie gut und gerne. Ich habe das Essen dann immer eingefroren.
Wer mir auch geholfen hat, ist meine Nachbarin. Sie hat alle paar Tage mit ihrem Hund geklingelt und gefragt: Lust auf ne Runde? Dabei habe ich sie vor dem Tod von meinem Mann kaum gekannt – eigentlich nur vom Sehen.
Ob mein Glaube mir hilft – manchmal. Margot Käßmann - die Pfarrerin - hat mal gesagt: Man kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand. Daran glaube ich. Und daran, dass Gott mir die Kraft gibt, weiterzuleben. Tag für Tag.
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
