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Kirche in 1Live | 13.06.2026 | floatend Uhr
Hoffnung und Lost Places
Elche. Wölfe. Fischotter. Störche. Luchse. Eisvögel. Alles Tiere, die in einer Gegend der Welt vorkommen, von der man vor vierzig Jahren gesagt hätte: Da wird nie wieder was leben. „Zone der Entfremdung“ heißt der Ort auf Ukrainisch, das Sperrgebiet rund um den Kernreaktor von Tschernobyl.
„Tschernobyl“ hieß damals im Frühling und Frühsommer 1986: Wochenlang nicht im Sandkasten spielen. Nicht bei Regen rausgehen. Keine Himbeeren pflücken. Keine Milch trinken und kein Eis essen. Und keinen grünen Salat. Tschernobyl war die erste Weltkatastrophe, die es in unsere KiTa-Morgenkreise geschafft hat. Bis heute hat für mich der Name deswegen einen gruseligen Klang.
Und jetzt eben: Elche. Wölfe. Fischotter und Eisvögel. Die Natur erobert sich das Sperrgebiet zurück. Nicht ganz unbeschadet von der Strahlung, aber viel widerstandsfähiger als gedacht. Und ich gucke mir im Internet die Bilder aus Prypjat und Umgebung an und denke: Wenn mich jemand fragt, wie „Hoffnung“ aussieht, dann würde ich sagen: Genauso. Luchse, die zwischen den Autoscootern herschleichen. Bäume, die aus Schulfenstern wachsen. Leben da, wo niemand es für möglich gehalten hätte.
Sprecherin: Lisa Kielbassa
Redaktion: Landespfarrerin Julia-Rebecca Riedel
