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Kirche in WDR 4 | 07.09.2026 | 08:55 Uhr
Alles ist möglich
Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende auch schon wieder vorbei. Tja. Und ich kenne viele, deren Kopf ist nach der Wahl in Sachsen-Anhalt gestern heute voll mit schwerer dunkler Grübelei. Ich finde aber, gerade in dunklen Gedanken liegt die Zeit für Zuversicht. Und Christinnen und Christen, die kennen sich in Sachen Zuversicht und Hoffnung gut aus. Also ran!
Ist Ihnen aufgefallen, was die AfD im Wahlkampf in Sachsen- Anhalt unter anderem auf ihre Plakate geschrieben hat? „Alles ist möglich.“ Wenn ich an das Programm dieser Partei denke, finde ich diesen Satz nur zynisch. Alles ist möglich: Zum Beispiel die Menschenwürde zu relativeren und vor allem diese schlimme, abqualifizierende Sprache gegenüber Minderheiten, Fremden und Mitgliedern anderer Parteien. Alles ist möglich heißt bei der AfD scheinbar: Alles ist erlaubt.
Ich denke aber bei „Alles ist möglich!“ an etwas vollkommen anderes. An eine Geschichte aus der Bibel. Da kommt ein Mann zu Jesus. Sein Sohn ist von einem bösen Geist besessen. In der Bibel hatten die Menschen für psychische Krankheiten noch keine anderen Worte als „böser Geist“. Jedenfalls beherrschen das Kind düstere Wolken im Kopf. Der Vater erzählt Jesus, er habe dessen Jünger schon um Hilfe gebeten. Aber deren Kraft habe nicht ausgereicht. Jetzt fleht er Jesus an: „Doch wenn du kannst, hilf uns; hab Mitleid mit uns“. Da sagt der: „Alles ist möglich. Dem, der glaubt.“ Und befiehlt dem bösen Geist: „Lass den Jungen in Ruhe!“ Mit Erfolg. Mit Karracho braust der davon. Dann fasst Jesus den Jungen an der Hand und stellt ihn auf die Beine.
Als ich die Plakate der AfD im Internet gesehen habe, da war ich verblüfft. Nicht, weil die da einen Text aus der Bibel zitiert haben. Wahrscheinlich ist denen das schnurz-egal. Ich war verblüfft, dass wir Christen uns den so einfach haben nehmen lassen. Ich finde aber am ersten Tag der neuen Woche: Holen wir uns diesen Satz zurück! „Alles ist möglich!“ Nicht für den, der am zynischsten ist. Nicht für den, der den anderen am lautesten runtermacht. Nicht für den mit dem lauten Geschrei. Zynismus und Gebrüll – das kommt in der Jesusgeschichte nur von einem: dem bösen Geist. Mehr hat der nicht drauf. Alles ist möglich hingegen für den, der glaubt. So sagt es die Bibel. Und Glauben meint zum Beispiel: Ich weiß, dass das wirklich Wichtigste im Leben nicht selbstgemacht ist. Sondern aus Liebe geschenkt.
Gestern haben wir in der Agneskirche im Gottesdienst ein Lied gesungen. Das führt diesen Gedanken wunderbar fort: „Alles ist möglich, dem, der liebt. Alles ist möglich, dem, der sich gibt. Den anderen sieht. Alles ist möglich, dem, der liebt.“
Ist das zu
dünn nach einer Wahl wie gestern? Zu wenig konkret? Zu naiv? Ach, wissen Sie:
Das ist ganz schön konkret. Und sogar politisch:
Alles ist möglich: Dem, der glaubt, hofft und
liebt. Holen wir uns diesen Satz zurück. Und setzen ihn allen
Menschenverächtern entgegen. Das wäre doch was. Nicht nur in Sachsen-Anhalt.
Sondern überall da, wo wir können. Jeden Tag. Und nicht nur an diesem Montagmorgen.
