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Kirche in WDR 3 | 02.06.2026 | 07:50 Uhr

Welthurentag

Stellen Sie sich eine Kirche vor, besetzt von 150 Frauen, die sonst kaum gehört werden. Mitten in Lyon ist das passiert, 1975. Die Frauen gehörten zum „ältesten Gewerbe“ der Welt. Und damals wie heute ist das, was sie tun, dermaßen negativ besetzt, dass allein bei der Berufsbezeichnung viele die Nase rümpfen. Die 150 Prostituierten wollten damals auf ihre Rechte aufmerksam machen – und auf ihre Würde. Die französische Politik war damals immer repressiver geworden. Die für die Frauen sicheren Orte, Bordelle, waren verboten. Auf dem Straßenstrich, waren 2 Prostituierte ermordet worden, da packte die Frauen der Mut zum Widerstand. Und sie bekamen Hilfe, ausgerechnet von einem Priester: Louis Blanc. Das war der Pfarrer der Kirche. Natürlich war der Priester kein Freund der Prostitution. Aber er war ein Menschenfreund. Und er sah in den Frauen nicht nur „Huren“, sondern Opfer eines Systems der Ausgrenzung. Damals, am 02. Juni 1975 begann die sogenannte Prostituiertenbewegung. Und deshalb ist heute Welt-Hurentag.

Und die Bewegung hat den Namen „Hure“ selbst in ihren Gedenktag eingefügt. Und ich nutze ihn jetzt auch – wissend, dass schon in der Bibel das Wort gleichgesetzt wird mit „Sodom und Gomorrha“. Mit der ultimativen Sündhaftigkeit. Mich erinnert der Welt-Hurentag daran, dass es Menschen gibt, die irrsinnig kämpfen müssen, um gesehen und respektiert zu werden. Mutige Frauen haben sich damals sichtbar gemacht, um Missstände aufzuzeigen, und sie haben damit ein Zeichen gesetzt.
Es geht mir nicht nur um ein historisches Ereignis, sondern um die Frage: Wer achtet darauf, dass Menschen nicht ausgegrenzt oder verurteilt werden, sondern als gleichwertig anerkannt?

Ich habe die Bibel schon erwähnt. Und vielleicht hatte Pfarrer Louis Blanc damals seine Kirche geöffnet für die Prostituierten, weil er wusste, dass Jesus einmal der Menge entgegengerufen hat: „Amen, ich sage Euch: Die Zöllner und die Dirnen – also die Huren - gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.“ (Mt 21,31) Jesus war sich nicht zu fein, für die Partei zu ergreifen, die am Rand der Gesellschaft gestanden haben. Das haben schon damals nur wenige verstanden. Und: Gerade Frauen wurden und werden missverstanden.

Das biblische Beispiel dafür, wie sehr Frauen missverstanden werden ist: Maria von Magdala. Jahrhundertelang klebte ihr der Ruf an, sie sei eine Hure. Erst in jüngster Zeit wird ihr Wirken neu bewertet: Sie war Apostelin, erste Zeugin der Auferstehung, eine zentrale Figur der frühen Kirche.
Maria von Magdala erinnert daran, dass gesellschaftliche Vorurteile Frauen lange zum Schweigen bringen und dass Mut und Stimme trotzdem Kraft entfalten können.

Vielleicht lohnt es sich heute, genau hinzuschauen: Auf den Wert von Menschen, deren Leben oft mit einem Stempel versehen wird. Und auf die Würde, die in jedem steckt. Vielleicht ist das heute ein kleiner Denkanstoß: Wen haben wir übersehen?
Wo könnten wir hinschauen, zuhören oder einfach anerkennen, dass jede Stimme zählt? Denn manchmal sind es genau die leisen, unerwarteten Momente des Mutes, die Hoffnung schenken und die uns zeigen, dass Gerechtigkeit, Respekt und Würde möglich sind, wenn wir aufmerksam bleiben.

Es grüßt Sie herzlich aus Krefeld,

Michelle Engel, Gemeindereferentin










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