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Kirche in WDR 2 | 04.07.2026 | 05:55 Uhr
Kinoverkündigung
Manchmal beginnt ein Weg nicht an einem Ort. Sondern mit einer Frage. Was mache ich hier eigentlich? Und wo will ich hin? Ab dem 2. Juli läuft im Kino ein Film, der genau davon erzählt: „Die Camino? Therapie – Finde deinen Weg“. Es ist die Geschichte von zwei Menschen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben: eine Lehrerin, deren Leben ins Wanken geraten ist – und ein junger Mann, der vor seiner Vergangenheit davonläuft.
„Die Jugendlichen, die wir betreuen, sind alles andere als Engel.“
„Ich bin vorbestraft, mehrfach verurteilt, der Jakobsweg ist meine letzte Chance, sonst heißt es Gefängnis.“
„Ich bin Lehrerin an einer Schule, ich kennen diese Kids. Seit 15 Jahren gebe ich ihnen eine zweite Chance.“
Gemeinsam werden sie auf den Jakobsweg geschickt. 800 Kilometer, kein Zurück, kein Ausweichen. Und irgendwann merken sie: Der Weg verändert nicht nur ihre Füße – sondern ihr
ganzes Leben.
„Nein, nein, nein. Komm sofort hierher.“
„Halt die Fresse. Was willst du beweisen? Halt die Fresse! Wir sind keine Freunde! Komm runter!“
„Weißt Du was? Sei ruhig wütend! Aber Du wolltest diesen Weg gehen! Du hast dich dafür entschieden! Du willst nicht mehr? Lass es sein! Keiner zwingt Dich! Hörst Du jetzt auf, verlierst Du alles! ALLES!“
Ich kenne diesen Weg ein kleines Stück weit selbst. Nicht in Spanien – aber hier bei uns. Ich bin Teile des Camino in NRW und Rheinland Pfalz mit dem Fahrrad gepilgert. Und ich habe gespürt: Der Camino macht etwas mit einem. Er nimmt Tempo raus. Er stellt Fragen, die im Alltag keinen Platz haben. Und er bringt Menschen zusammen, die sich sonst nie begegnet wären.
Genau das erzählt auch dieser Film. Da wird gestritten, geschwiegen, gelacht – und irgendwann verstanden. Schritt für Schritt entsteht aus Gegensätzen Nähe. Und aus Belastung vielleicht sogar Kraft.
„Keiner glaubt daran, das ich das bis zum Ende durchziehe.“
„Beende diesen verdammten Jakobsweg.“
„Du läufst jeden Tag, hast nichts und gibst doch so viel. Nicht viele Jugendliche schaffen das.“
„Auch ich schaffe das.“
Ich kenne viele, die den Camino gegangen sind. Und fast alle sagen am Ende dasselbe: Man kommt nicht als derselbe Mensch zurück. Vielleicht ist das der eigentliche Kern dieses Films. Und vielleicht auch der Grund, warum uns solche Geschichten so berühren. Weil wir alle unseren eigenen Weg haben. Manche gehen ihn zu Fuß. Manche auf dem Rad. Und manche entdecken ihn – ganz einfach – im Kino.
Und wer weiß: Vielleicht ist das ja nicht nur ein Film. Sondern der erste Schritt des eigenen Caminos.
