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Kirche in WDR 4 | 19.02.2026 | 08:55 Uhr
Mitgefühl
Guten Morgen,
darf ich mich vorstellen:
Ich bin das Mitgefühl,
ich denke nicht nur an mich
mir gehts um Andere.
Auch, wenn ich nicht immer alles verstehe -
ich versuche es wenigstens.
Ich höre zu.
Denke mit.
Hinterfrage.
Schweige mit.
Vielleicht weine ich mit
oder lache
oder helfe, wenn es denn geht,
und wenn nicht: Halte ich mit aus!
Ich bin da, …
wenn du zuhörst, ohne zu urteilen.
wenn du bleibst, obwohl es schwer wird.
wenn du tröstest, ohne vorschnelle Lösungen zu liefern.
Ich bin das Mitgefühl.
Ich stehe oft auf Trauerkarten,
manche sagen Beileid zu mir,
andere nennen mich Empathie.
Aber egal, wie du mich nennst,
du kannst mich immer wieder spüren:
Mit einem Taschentuch, in einer Umarmung oder einem unverhofften Lächeln.
Ich fühle mich dann meist warm an,
oft im Herzen.
Du merkst schnell, ob ich ernst gemeint bin oder nicht.
Verwechsle mich aber bitte nicht mit Mitleid!
Mitleid will eigentlich kaum jemand - das verstehe ich gut.
Aber als Mitgefühl habe ich mich noch nie fehl am Platz gefühlt.
Mitgefühl versinkt nicht im Leid.
Mitgefühl antwortet nicht voreilig.
Mitgefühl lässt den Gefühlen ihren Raum.
Als echtes Mitgefühl, fühl ich mit, mache mir das Leid aber nicht zu eigen.
Klingt leicht, ist es aber nicht.
Ich mache keine Unterschiede -
als Mitgefühl bin ich für alle da.
Ich bin das Gegenteil von Härte und Kälte,
mir ist nicht egal, was hier und anderswo schiefläuft.
Ich kann meine Augen davor nicht verschließen.
Ich merke, wie mir das manchmal auch zu schaffen macht.
Mich behaupten zu müssen, gegenüber allem, was sagt:
Ist doch egal. Ist doch nicht mein Problem. Ich hab´ meine eigenen Sorgen. Ich kann eh nichts ändern.
Ich bleib dabei.
Ohne Mitgefühl, würde das Leben unmenschlich werden.
Einige sagen,
dass Gott einer ist, der Mitgefühl mit allen hat.
In der Bibel heißt das dann: Gott ist barmherzig.
Oder:
Gott ist denen nahe, die ein zerbrochenes Herz haben. (Psalm 34,19, Lutherbibel 2017)
Oder:
Gottes
Mitgefühl zeigt sich jeden Morgen neu.
Und manche sagen:
Gottes Mitgefühl hat mit Jesus ein Gesicht bekommen.
In dem, der die Kranken berührt und die Hungernden speist.
Und der voller Mitgefühl die Müden und Erschöpften ansieht.
Dabei ist er selbst auf Mitgefühl angewiesen gewesen.
In der Bibel steht auch:
Gott hat den Menschen mit Mitgefühl geschaffen,
weil er gesehen hat,
dass es nicht gut ist,
wenn einer allein bleibt.
Ich bin das Mitgefühl. Oft werde ich gefragt:
Was bringt mir das alles schon?
Was kann Mitgefühl schon ändern?
Ich weiß, dass ich nicht immer was ändern und Leid nicht verhindern kann.
Trotzdem will ich niemanden damit alleine lassen.
Denn wenn sich zum Leid noch Einsamkeit gesellt – dann ist es oft doppelt schlimm.
Gerade deshalb braucht es mich. Das Mitgefühl.
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5: )
Dass sich echtes Mitgefühl immer wieder in Ihrem Leben vorstellt, wünscht
Pfarrerin Anne Wellmann aus Tönisvorst.
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
