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Sonntagskirche | 22.03.2026 | 08:55 Uhr
Lebendiges Wasser!
Guten Morgen.
Unbarmherzig brennt die Sonne vom Himmel. Meine Zunge klebt am Gaumen. Der Durst ist riesig. Meine Wasserflasche ist nur noch halbvoll. Ich hab` mich verschätzt und viel zu wenig auf die Wanderung mitgenommen. Gefährlich.
Wasser ist lebenswichtig. Heute ist der "Welttag des Wassers". Er erinnert daran: Der Zugang zu Trinkwasser ist ein Menschenrecht. Deshalb erschüttert es mich, dass trotzdem noch 2,2 Milliarden Menschen auf der Welt keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. (1) Und dass wir das Trinkwasser der anderen verbrauchen - bei der Rindfleischproduktion zum Beispiel oder bei der Baumwollproduktion für unsere Kleidung. (2) Für ein T-Shirt könnte man 1800 Menschen einen ganzen Tag lang mit ausreichend Trinkwasser versorgen (1,5 Liter pro Person).
Wasser ist Leben.
Und so ist es kein Zufall, dass Jesus in der Bibel vom Wasser des Lebens spricht. (Johannes 4,14) Er hat im heutigen Israel und Palästina gelebt – da ist Wasser kostbar.
Jesus gebraucht das Bild vom Wasser des Lebens noch für etwas, das genauso lebenswichtig und kostbar ist wie Trinkwasser: Quellen für die Seele! Lebensquellen, die mich vor dem inneren Austrocknen bewahren. Oft habe ich schon eine seelische Durststrecke erlebt. Eine Krankheit oder ein schmerzlicher Verlust einer geliebten Person – und schon schwinden meine Hoffnung und Zuversicht dahin. Genau dies hat Jesus im Blick, als er einmal mit einer Frau an einem Brunnen ins Gespräch kommt. Dabei geht es um den Durst nach Leben. Und so sagt er zu der Frau: "Wer von dem Wasser trinkt, dass ich ihm gebe, wird nie wieder Durst haben" (Johannes 7,14 BasisBibel). Und wenig später verkündet er mit lauter Stimme: „Wenn jemand Durst hat, soll er zu mir kommen und trinken... Ströme von lebendigem Wasser werden aus seinem Inneren fließen." (Johannes 7,37 und 38 BasisBibel) Dieses Wort vom lebendigen Wasser verstehe ich als ein Symbol für den Durst meiner Seele nach Liebe und Geborgenheit, nach Kraft und Heilung, nach Sinn und Erneuerung. Lebendiges Wasser als Quelle meines Lebens – das ist Wasser, das mich verändert – weil es sich bewegt und fließt und auch mich damit bewegt. Wenn ich eine seelische Durststrecke habe – bete ich: Gott, hilf uns aus dem Streit – wir stecken fest. Bring etwas in uns wieder zum Fließen - dass wir aufeinander zugehen können. Oder: Ich fühle mich wie ausgedörrt. Bitte, Gott, bete ich, bring in mir wieder etwas zum Wachsen – meine Phantasie, meine Liebe, meine Lust aufs Leben. Mir selbst sage ich oft: Vergiss deine Lebensquelle nicht.
In einem Hospiz habe ich einen Sterbenden besucht. Es ging bei ihm immer nur um sein Geschäft. Jetzt stellt er resigniert fest: "Ich habe meine drei Kinder kaum gesehen. Ich bin meiner Familie kaum begegnet. Ich fühle mich innerlich ausgetrocknet". Man kann auch seelisch verdursten.
Und man kann Lebensquellen finden. Vielleicht in einer Kirchengemeinde im Austausch mit anderen, die auch auf der Suche nach lebendigem Wasser sind. Und die sich innerlich erfrischen lassen wollen.
Quellen: (alle Links zuletzt abgerufen am 01.02.26)
( 1 ) https://www.tagesschau.de/ausland/europa/unesco-weltwasserbericht-100.html
( 2 ) https://www.bund.net/themen/aktuelles/detail-aktuelles/news/grundwasser-in-gefahr-bund-legt-studie-zur-wasserknappheit-vor/
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
