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Kirche in WDR 2 | 08.08.2026 | 05:55 Uhr
Schwere Entscheidungen
Schmerzlos getötet steht auf der Euthanasiebescheinigung meines alten Hundes, eine der schwersten Entscheidungen meines Lebens liegt schriftlich vor mir.
Schmerzlos getötet. Die Worte schwirren in meinem Kopf und Herz herum. Klar, wenn der Tod gut sein soll, dann muss er schmerzlos sein. Aber es bleibt eine Tötung. Jemand hat den Zugang gelegt, durch den die Überdosis Narkosemittel in blau-türkis läuft, jemand hat das entschieden und das bin ich gewesen. Zusammen mit unserem Tierarzt, der zwei Tage vorher nochmal alles versucht hat – vergeblich. Ich habe unter Tränen entschieden, meinem Hund das Leben zu nehmen und mir meine geliebte Gefährtin, die nicht mal mehr Hähnchen fressen wollte oder trinken oder laufen. Ich habe entschieden, sie zu erlösen von unnötigem Leid.
Geholfen bei der Entscheidung
hat mir auch der Nachbar, der zufällig mit seinem Bulli vor unserem Haus angehalten
hat, als ich versuchte habe, ein letztes Mal mit ihr spazieren zu gehen. Was er
wohl sieht, habe ich mich gefragt. Und dieser fremde Blick hat mir geholfen, zu
sehen: Perla ist des Lebens müde. Das hat mir unendlich weh getan, aber mir ist
in diesem Moment klar geworden: Ich will kein feiges Frauchen sein, ich will
nicht, dass sie leidet, damit ich sie noch ein paar Tage bei mir habe.
Jetzt träume ich nachts, ich hätte anders entschieden. So ist das mit schweren Entscheidungen, sie gehen einem noch nach.
Bei privaten und persönlichen schweren Entscheidungen geht es oft darum, ob man weiter miteinander lebt – und wenn ja: Wie. Am Beispiel von Perlas Lebensende wird mir klar, dass es etwas einfacher wird, wenn ich vorher viel versucht habe. Und vor allem: Die Entscheidung für die Einschläferung meines Hundes ist mir leichter gefallen, weil ich sie schon einmal fast verloren habe. Und ich in diesen zwei Nächten, in denen sie weggelaufen war, gar nichts mehr entscheiden konnte.
Und da hat nur eins mein Herz
beruhigt. Dass sie in Gottes Hand ist, egal, ob ich ihre Leine halte oder
nicht. Immer ist sie in Gottes Hand, wie alle anderen Geschöpfe auch. Und wenn
das schon gilt, wenn ich nichts mehr entscheiden kann, dann gilt es auch, wenn
ich etwas entscheide. Egal ob richtig oder falsch, ob schwer oder leicht, wir
sind alle in Gottes Hand. Es mag alles furchtbar sein, aber dieser Glaube trägt
mich hindurch.
Mein Grundvertrauen in Gott lässt mich nicht leichtfertiger entscheiden, aber leichter mit meinen Entscheidungen leben.
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Schneider-Schnitzius
