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Kirche in WDR 2 | 16.03.2026 | 05:55 Uhr
Entscheidungen
Spaghetti, Pizza Caprese oder doch einen gemischten Salat? Ich blättere nervös in der Speisekarte. Die anderen warten mit hungrigen Gesichtern. Wir sitzen zu viert im Restaurant. Und es ist mal wieder soweit: Ich kann mich nicht entscheiden!
Die anderen kennen das und bestellen schnell eine Vorspeise. Damit sie nicht verhungern, während ich noch über den Hauptgang nachdenke. Spaghetti mag ich am liebsten. Die Pizzen sind hier auch sehr gut. Allerdings hat der Salat weniger Kalorien. Es fällt mir schwer eine Entscheidung zu treffen. Und das geht mir genauso auf die Nerven wie meinen Freunden. Sich nicht entscheiden können bedeutet nämlich auch: Zeit verschwenden. Während ich ewig überlege, könnte ich schon längst etwas tun. Essen zum Beispiel.
Bei größeren Entscheidungen setze ich auf Pro- und Contra- Listen.
Will ich den Job wechseln? Will ich auswandern?
Meine Listen zu diesen wichtigen Lebensfragen sind lang und umfangreich.
Doch trotz vieler Argumente komme ich oft nicht weiter.
Da suche ich nach Inspiration in der Bibel.
Wie treffen die Menschen dort ihre Entscheidungen?
Petrus zum Beispiel. Er ist Fischer,
sitzt nach der Arbeit gerne am Wasser, repariert sein Netz und lässt den Tag Revue passieren.
Dann kommt Jesus vorbei und sagt: Komm mit mir!
Und Petrus lässt alles stehen und liegen und geht mit.
Kein ewiges Überlegen, keine lange Pro- und Contra-Liste zu der Frage:
„Gehen oder Bleiben?“.
Wer sich für Jesus entscheidet, macht das ohne großes Hin und Her.
Weil er oder sie es einfach will.
Für mich bleibt die Frage: Was will ich?
Wir sitzen immer noch beim Italiener und ich halte die Speisekarte immer noch in der Hand. Mein Freund beugt sich zu mir rüber und sagt: „Ja, es gibt immer mehrere Optionen. Wichtig ist, dass du dich entscheidest. Sonst tut es irgendwann jemand anderes für dich.“ Er grinst.
Seine kleine Drohung wirkt. Ich entscheide mich für die Spaghetti. Später denke ich noch über seine Worte nach. Es stimmt: Keine Entscheidung ist perfekt. Eine Gute muss reichen.
Redaktion: Pfarrerin Julia-Rebecca Riedel
