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Unruhe um einen Friedfertigen
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Kirche in WDR 2 | 26.01.2026 | 05:55 Uhr

Unruhe um einen Friedfertigen

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende auch schon wieder vorbei. Tja. Und heute Morgen möchte ich Ihnen von einem Roman erzählen, der mich in den letzten Tagen sehr beschäftigt hat. Er heißt Unruhe um einen Friedfertigen. Oskar Maria Graf hat ihn 1947 geschrieben. Es ist ein Roman über ein Klima, in dem Täter gedeihen. Über ein Gift, das in der Zwischenzeit zweier Weltkriege langsam in eine Dorfgemeinschaft einsickert.

Julius Kraus – eigentlich Juljewitsch Krasnitzki – ist ein Überlebender. Als Jugendlicher entkommt der Jude Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts einem Pogrom in Odessa, bei dem seine Familie ermordet wird. Er flieht, mit dem Familienschmuck unter dem Mantel, verliert unterwegs seinen Namen, seine Herkunft, fast sich selbst. Am Ende landet er in Bayern, wird Julius Kraus, heiratet, gründet eine Familie, verliert sie wieder und lebt als Schuster in einem oberbayerischen Dorf. Ein Mann, der begreiflicherweise nichts weiter möchte als Ruhe.

Graf erzählt diese Geschichte als eine Erzählung vergeblichen Ankommens. Dabei wirkt das Dorf zunächst wie ein Schutzraum. Die Menschen sind grob, aber nicht grausam. Der Pfarrer ist altersmild, die Jesuiten eine moralische Instanz, der Krämerladen das Nachrichtenportal der Zeit. Selbst ein uneheliches Kind mit russischem Kriegsgefangenen-Vater wird achselzuckend integriert. Alles scheint erträglich. Bis es das nicht mehr ist.

Der Roman umfasst die Zeit vom Ersten Weltkrieg bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten. Und er zeigt, wie sich Politik in den Alltag frisst. Wie aus Stammtischgerede Hass wird, aus Unsicherheit Ideologie, aus „Das geht mich nichts an“ ein stilles Einverständnis. Das „A-bopa“, dieses von Kraus erfundene Wort, steht für die vergiftete Luft unruhiger Zeiten: für Denunziation, Spaltung, das langsame Verschwinden von Mitgefühl.

Julius Kraus ist kein Widerstandskämpfer. Er glaubt an Ordnung, an Vernunft, an das Sich-Heraushalten. Als seine jüdische Herkunft bekannt wird, halten viele im Dorf noch zu ihm – aber sie tun nichts. Gottergebenheit ersetzt Haltung. Jeder bleibt bei sich. Gerade darin liegt die verstörende Aktualität dieses Romans. Graf beschreibt nicht den großen Aufmarsch, sondern die Provinz. Nicht das Gebrüll, sondern das Schweigen. Er zeigt, wie Nationalismus nicht durch fanatische Überzeugung siegt, sondern durch Bequemlichkeit.

Der Roman ist kürzlich verfilmt worden, mit Josef Hader in der Hauptrolle. Der Zweiteiler ist noch in der ZDF-Mediathek zu sehen. Nutzen Sie das. Denn morgen ist der Holocaust-Gedenktag. Deutschland erinnert an das unvorstellbare Grauen der Vernichtung der Juden. Mir helfen solche Geschichten, wie die von Julius Kraus zu begreifen, dass das Böse nicht nur aus Fanatikern besteht. Sondern auch dadurch gedeiht, wenn Menschen hoffen, wird schon nicht so schlimm kommen. Und sich heraushalten. Aber das ist keine Option. Nicht am Holocaustgedenktag. Und nicht an einem Montagmorgen.


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