Beiträge auf: wdr4
Kirche in WDR 4 | 18.03.2026 | 08:55 Uhr
Einfach Machen
Guten Morgen!
Kennen Sie das? Sie haben eine Idee, einen Traum, einen Plan – aber dann kommt das große Aber. Was, wenn es schiefgeht? Was werden die anderen denken? Ist das jetzt überhaupt der richtige Zeitpunkt? "Einfach mal machen" – das klingt so leicht und ist doch oft so schwer. Wir planen, wägen ab, haben Bedenken. Und so bleibt die Idee oft genug in der Schublade, der Traum ungelebt, der Plan unverwirklicht.
In der Bibel gibt’s viele Erzählungen von Menschen, die einfach gemacht haben.
Wie diese Frau, die zu Jesus kommt. Sie stürmt in ein Haus voller Männer, zerbricht ein Gefäß mit kostbarem Öl, gießt es Jesus über den Kopf und salbt ihn.
Die Jünger sind empört: "Was für eine Verschwendung!
Das teure Öl hätte man verkaufen und Geld damit machen können!"
Sicher hätte es noch viele Wenns und Abers gegeben. Doch Jesus reagiert anders, bleibt ruhig und verteidigt sie.
"Sie hat getan, was sie konnte und was ihr Herz ihr sagt. Sie hat nicht gewartet, bis alle zustimmen, sondern ihre Möglichkeiten genutzt und einfach angefangen.“ (1)
"Sie hat getan, was sie konnte" – das ist vielleicht einer der unterschätztesten Sätze der Bibel.
Wie viel Gutes entsteht nicht, weil ich auf den perfekten Plan, die Erlaubnis oder Genehmigung warte? Wie viele kleine Wunder bleiben aus, weil ich Bedenken wichtiger nehme als Zuversicht?
Wie die zwei Frauen, die einfach angefangen haben, ein Online-Magazin herauszugeben.
Ohne großes Konzept. Einfach so. Mittlerweile sind daraus neue Ideen und Projekte entstanden, die Menschen zusammenbringen und vernetzen. (2) Und ich denke an junge Menschen aus der Evangelischen Studierendengemeinde in Köln. Sie haben ihre Idee, ein Hochbeet zu bauen und zu bepflanzen einfach umgesetzt.
Natürlich geht es nicht darum, kopflos zu handeln oder leichtsinnig zu entscheiden.
Regeln müssen schon eingehalten werden und andere nicht übergangen. Aber dem lähmenden Perfektionismus und Bedürfnis nach Absicherung darf keck die Stirn geboten werden. Um der Angst vor dem Scheitern ins Gesicht zu sagen: "Du hast nicht das letzte Wort."
"Sie hat getan, was sie konnte" – das ist eine Einladung an mich heute.
Ich muss nicht alles können. Ich muss nicht erst auf alle Antworten warten. Ich darf den richtigen Moment wahrnehmen, der mir sagt: Fang an. Kreativ und verrückt.
„Einfach machen“ mit dem, was ich habe. Mit dem, was ich kann.
Und vertrauen, dass es schon gutgehen wird. Gott schenkt mir Vertrauen und Mut dazu.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen Tag, an dem Sie etwas einfach mal machen. So wie Sie können, aus ganzem Herzen.
(Ende WDR 4 und Verabschiedung WDR 3 und WDR 5)
Es grüßt Sie, Pfarrerin Christiane Neufang aus Köln.
Quellen:
(1) frei nach Die Bibel, Matthäus 26
(2) https://marita-eckmann.de/was-aus-einfach-mal-machen-entstehen-kann/
(zuletzt abgerufen am 01.03.26)
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
