Beiträge auf: wdr5
Kirche in WDR 5 | 24.08.2026 | 06:55 Uhr
Am Roten Meer mit Mose
Guten Morgen. Zwar sind ja noch Ferien, aber heute beginnt bei uns in Lengerich die religiöse Kinderwoche. Und ich bin etwas aufgeregt, denn das habe ich auch noch nicht gemacht. Im Team gemeinsam eine religiöse Kinderwoche leiten, ist Premiere für mich. Eine Woche mit Kindern unterwegs und mit einer biblischen Figur, nämlich Mose. Und wir haben da im Vorfeld schon ganz schön die Köpfe zusammengesteckt. Was können wir Kindern schmackhaft machen von dem alten Mann aus dem Alten Testament. Binsenkörbchen? Brennender Dornbusch? Was hat mit dem Leben der Kinder zu tun? Für mich habe ich ziemlich klar, welche Mose-Geschichte ich am spannendsten fände. Und das schon, seit ich selbst noch Kind war: Die Flucht aus Ägypten. Großes Kino. Hinter den Israeliten Sklaverei, Streitwagen und Verfolger. Vor Mose und seinem Volk plötzlich: Das Rote Meer mit dem Rücken an der Wand. Heute, mehr noch als Kind damals, kenne ich solche Rote-Meer-Erfahrungen. Das Gefühl, gejagt zu werden. Komme aber nicht weiter, sitze fest. Allein schon die Hausarbeit für meine Ausbildung zum Pastoralreferenten. Dieses rote Meer an Informationen: Lehrbriefe, Literatur, Notizen, alles liegt vor mir ausgebreitet. Und die Deadline: tiefrot in meinem Kalender. Und ich, ich schiebe und schiebe, irgendwie geht da grad nicht viel. Die Aufgabe ist zu groß. Wo soll ich anfangen? Als Mose auf das Rote Meer geschaut hatte? Hatte er dasselbe Gefühl? In die Rolle als Anführer wurde er ja quasi geschubst. Und jetzt steht er da, vor diesem Meer von Problemen. Und das Volk bittet und fleht: Was dann passiert, berührt mich. Das Meer öffnet sich nicht, solange alle nur davor stehen, beten, flehen und schimpfen. Erst als Mose den Stab ausstreckt, öffnet sich das Meer. Es braucht die Aktion von Mose, damit sich etwas bewegt. Er wagt den ersten Schritt. Nicht, weil er schon weiß, wie die Geschichte ausgeht, sondern weil er Gott zutraut, dass es weitergeht. Genau das nehme ich aus dieser Geschichte mit. Und das möchte ich den Kindern auch weitergeben in dieser meiner ersten religiösen Woche. Ich glaube nicht, dass Gott alle Hindernisse einfach wegschiebt. Aber ich glaube, dass er Mut schenkt, den ersten Schritt zu wagen. Und wenn die Kinder in dieser Woche das irgendwann erfahren, dann ist schon ziemlich viel passiert. Dafür muss sich vor denen dann auch kein Meer teilen. Aber vielleicht lernen sie, dass Mut belohnt wird. Wie auch immer: Vielleicht stehen auch Sie heute vor so einem Roten Meer. Dann wünsche ich Ihnen den Mut, den ersten Schritt zu gehen, weil Gott an Ihrer Seite ist. Aus Lengerich grüßt Sie Jan Dieckmann und Drücken Sie mir die Daumen für meine Bibelwochenpremiere.
