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Kirche in WDR 4 | 01.09.2026 | 08:55 Uhr
In guten Händen
Guten Morgen.
Glauben Sie, dass unsere Welt in guten Händen ist? Das wird ja immer wieder bestritten. Vor allem von Leuten, die richtig viel Macht haben oder die die Macht an sich reißen wollen. Diese Leute behaupten von sich, sie hätten den Durchblick. Sie wissen ganz genau, wer die Guten sind – und wo die Schurken sitzen. Sie erzählen die unglaublichsten Geschichten von den Bösen, den Etablierten, wie hinterhältig und raffiniert die sind, um den anderen, den wirklich Guten, das Leben so schwer wie möglich zu machen. Aber sie, die Saubermänner und die Biederfrauen, die machen so etwas nicht. Gut – das wird dann mit einem Augenzwinkern eingeräumt – keiner ist perfekt, jeder trickst mal hier, mal da, versucht einen Platz an der Sonne zu ergattern. Ist doch menschlich – aber im Grunde – ja was? Sind wir gut. Sind wir Menschen gut …, frag ich mich?!
Heute vor 87 Jahren, am 1. September 1939 begann mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen der Zweite Weltkrieg. Da haben die Biedermänner und Biederfrauen gejubelt. Viele haben heimlich gejammert und gestöhnt – obwohl keiner wirklich ahnen konnte, welches unfassbare Ausmaß die Katastrophe wirklich annehmen wird. Am Ende des Krieges, sechs Jahre später, werden es über 60 Millionen Tote sein; einige Schätzungen sprechen sogar von 80 Millionen Toten, wenn man die Folgen des Krieges mit bedenkt: Hunger, Vertreibung und Krankheiten. Aber diese Katastrophe hatte sich schon lange vorher abgezeichnet. Es gab Leute, die das gesehen und benannt haben. Aber die hatten bald nichts mehr zu sagen – konnten nichts mehr sagen. Und die Geißel des Krieges hat bis heute nicht aufgehört zuzuschlagen.
Ist diese Welt in guten Händen? Ja – lese ich in der Bibel. Diese Welt, unser Leben, das Leben der Glücklichen und das Leben der Unglücklichen, das Leben in der Sonne und das Leben im Schatten – es liegt in Gottes Händen. In der Bibel steht: „Jedes Haus wird von jemandem erbaut; der aber alles erbaut hat, das ist Gott.“ (Hebräerbrief 3,4 – aus den Herrnhuter Losungen) Wir haben unseren Bereich, für den wir verantwortlich sind. Aber alles, das ganze Leben, das brauchen und können wir nicht verantworten. Diese Welt ist und bleibt in Gottes Händen. Beweisen kann ich das nicht. Aber in der Bibel ist aufgeschrieben: Manche haben es so erlebt: Trotz allem Chaos und all der Ungeheuerlichkeit, die Menschen hier auf Erden anrichten, finden sie immer wieder Zeichen von Gottes Treue und Verlässlichkeit. Wenn Menschen zueinander halten, auch wenn es gefährlich ist. Wenn jemand sich nicht unterkriegen lässt, obwohl die Situation aussichtslos zu sein scheint.
Oder zu merken: Niemand kommt ohne andere aus und andere brauchen mich. Keiner ist überflüssig. Alle sind gewollt. Wenn wir das wirklich leben – wie würde die Welt dann aussehen...? Auf jeden Fall könnten wir dann immer klarer erkennen: Diese Welt ist wirklich in guten Händen, denn wir sind wirklich gewollt – und wir spüren das – Gott sei Dank!
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5:)
Ihnen allen einen guten Tag,
Ihr Eberhard Helling, Pfarrer aus Lübbecke.
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
