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Kirche in WDR 4 | 11.06.2026 | 08:55 Uhr
Frieden stiften
Guten Morgen!
Kürzlich habe ich mit Leuten über Frieden diskutiert. Dabei ist mir aufgefallen, wie unterschiedlich Menschen diesen Begriff verstehen. Manche meinen: Frieden ist lediglich die Abwesenheit von Gewalt. Niemand schießt, es fallen keine Bomben, es gibt keinen Streit. Hauptsache, es ist ruhig. So wie es bei einer Party manchmal heißt: Die wird friedlich, weil XY nicht kommt.
Aber wenn ich in die Bibel schaue, ist Frieden nicht nur die Abwesenheit von etwas. Das Wort, das Jesus für Frieden verwendet, lautet „Shalom“. Und das heißt nicht einfach Ruhe. Es bedeutet nicht, dass sich alle mal für einen Moment benehmen. Shalom bedeutet: Das Leben kommt wieder ins Gleichgewicht. Dinge werden heil. Menschen können aufatmen.
In so einem Frieden wächst Gerechtigkeit, wo vorher die Menschen und die Schätze der Erde ausgebeutet und geplündert wurden. In so einem Frieden heilen Verletzungen. Und wo vorher Mangel war, gibt es jetzt genug. Wo Menschen ausgegrenzt wurden, entsteht wieder Gemeinschaft. Shalom – Friede - ist, wenn das Leben aufblüht.
Denn selbst dort, wo keine Bomben fallen, kann Unfrieden herrschen. Familien leben in Armut. Selbst dort, wo nicht geschossen wird, erleiden Menschen Rassismus, Missbrauch oder Korruption. Systeme zermürben sie Tag für Tag. Es gibt Stadtviertel, in denen niemand kämpft - und trotzdem sind viele einsam, süchtig oder verzweifelt.
Das alles ist kein Frieden. Das ist nur Leid, das niemand sehen will. Genau da setzt Jesus an, wenn er in der Bibel sagt „Selig sind, die Frieden stiften.“ Er segnet Menschen nicht dafür, dass sie so tun, als wäre alles in Ordnung. Er spricht von Menschen, die hinschauen, die sich einmischen - die bereit sind, an zerrüttete Orte zu gehen.
Friedensstifterinnen und Friedensstifter versuchen, Dinge wieder ins Lot zu bringen. Sie setzen sich für Gerechtigkeit ein. Sie helfen, Wunden zu heilen. Sie bringen Menschen wieder zusammen. Das ist Shalom.
Und das ist oft mühsam. Manchmal unbequem. Und selten konfliktfrei. Aber genau darin liegt der Frieden, von dem Jesus spricht. Es geht nicht nur darum, ob mein eigenes Leben gerade stabil ist. Es geht auch um den anderen: Wer braucht gerade Unterstützung?
Wo fehlt es an Gerechtigkeit, an Würde, an Hoffnung? Frieden bedeutet nicht nur, etwas zu bewahren. Sondern etwas aufzubauen: Gerechtigkeit. Barmherzigkeit. Heilung. Zugehörigkeit.
Und vielleicht beginnt dieser Frieden heute ganz klein: mit einem offenen Blick, einem klaren Wort - oder einem Schritt auf einen anderen Menschen zu.
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5: )
Dass uns das heute gelingt, wünscht
Ihr Pfarrer Bernd Becker aus Bielefeld.
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
