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Empathie
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Kirche in WDR 2 | 24.04.2026 | 05:55 Uhr

Empathie

Der wohl reichste Mann der Welt, Elon Musk hat gesagt: "Die fundamentale Schwäche der westlichen der Zivilisation ist Empathie". Also bezeichnet er Empathie als wörtlich "gesellschaftlichen Selbst­mord". Eine amerikanische Body-building-Meisterin hat es vor Jahren noch einfacher ausgedrückt: "Meide den Kontakt mit Verlierern, das macht dich selber schwach". So gilt es, einen guten Deal zu machen, nach dem Motto: The winner takes it all - Alles für den Sieger.

Nun ist Einfühlung, Mitleid oder Barmherzigkeit eine christliche Tugend, sozusagen ein Gen des Glaubens. Wie es ja die berühmte Ge­schichte vom Barmherzigen Samariter schildert. Durchaus selbstkritisch, denn Priester und Levit kümmern sich nicht um den armen Kerl, der überfallen wurde. Sie machen nicht ihren Job, sondern ziehen von dannen. Der Ausländer aus Samaria kümmert sich, versorgt den Verletzten und bringt ihn zum nächsten Gasthaus. Dort bezahlt er für seine Ge­nesung und verspricht sogar, mehr draufzulegen, wenn er wieder vorbei­kommt, falls das Geld nicht reicht. Er macht es aus Mitleid, sagt Jesus im Lukas-Evangelium. Empathie heißt übersetzt übrigens: Mitgefühl.

Was aber genau ist nun Empathie? Der österreichische Psychoanalytiker formuliert es so: "Empathie bedeutet, mit den Augen eines anderen zu sehen, mit den Ohren eines anderen zu hören und mit dem Herzen eines anderen zu fühlen".

Aus meiner Sicht ist Empathie nicht nur moralisch gut. Empathie ist doch auch gut, wenn man einen guten Deal machen will, ein gutes Geschäft. Nur wer sich in die Lebenswelt der Kunden einfühlen kann, ist doch eine gute Verkäuferin!

Schlecht ist Empathie, wenn man fundamentalistisch denkt und autokra­tisch handelt. Nur die eigene Weitsicht akzeptiert. In einer neolibera­len Welt sind wohl Barmherzigkeit, Fürsorge und Solidarität nicht ange­sagt. Doch heute ist der Welttag des Multilateralismus und der Diplomatie für den Frieden. Also für Vielfalt und Einfühlung in die andern um des Friedens willen. Frieden kann man nicht gewaltsam erreichen. Da muss man schon hinhören und die andere Sicht zu verstehen versuchen. Hannah Arendt sagt es scharf: "Politik ist angewandte Liebe zur Welt".

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