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katholisch

Kirche in WDR 3 | 12.02.2026 | 07:50 Uhr

Lebe wohl, du Fleisch!

Guten Morgen liebe Hörerinnen und Hörer!

Heute ist Karnevalsdonnerstag, schmutziger Donnerstag manchmal auch genannt, weniger charmant Altweiberfastnacht. Und dass heute ich, ein Westfale, hier zu Ihnen spreche, wird zumindest den Rheinländern schon karnevalistisch vorkommen. Wie auch immer: Der innere Kern der Fastnacht und des Karnevals beginnt: die Unordnung vor der Ordnung, das Trinken und Feiern vor dem Fasten und – die Zerknirschung vor dem neuen Anfang.

Wer übertreibt, der kann das ja nur tun, weil es gesetzte Grenzen gibt, und Übertreibung läßt oft erst die hilfreichen Grenzen erkennen. Unser Körper läßt uns verkatert erkennen: Besser nicht zu oft… Und wer über die Stränge schlägt, der kann sich an den Ursprung dieser Redensart erinnern: Es stammt aus der Bildsprache des Pferdefuhrwerkes und meint das unruhige Pferd, das mit einem Hinterbein nicht mehr zwischen den Zugsträngen des Pferdegeschirrs geht, sondern eben über die Stränge tritt. Das Über-die-Stränge-schlagen aber wird für Pferd und Fuhrwerk gefährlich, da die Kontrolle über die Fahrt verloren geht. Karneval erinnert daran: Der Mensch unterscheidet sich vom Tier und von der Pflanze dadurch, daß er Techniken der Lebenskunst entwickeln muß, wenn er sich entwickeln will. Daß er Pferdefuhrwerke konstruiert, um Ernte einzufahren. Daß er eine Ordnung im Leben braucht, um die Ernte eines Lebens über manche Jahre hinweg einzufahren. Kurzum: Der Mensch begnügt sich nicht damit, wie die Sonnenblume nach der Sonne sich auszurichten oder wie das Eichhörnchen im Herbst Nüsse und Vorräte für den Winter zu sammeln, sondern er ist, wie die Philosophen so schön harmlos sagen: ergebnisoffen. Will heißen: Aus einer Sonnenblume wird beim besten Willen niemals eine Rose und beim schlechtesten Willen niemals eine Stinkmorchel. Und aus einem Eichhörnchen wiederum wird genauso wenig ein Delphin wie eine Anaconda. Nur der Mensch ist in der Lage zu Josef Stalin oder aber zu Nelson Mandela zu werden. Und dazwischen ist jede Menge Raum für höchst unterschiedliche Lebensentwürfe und Lebensentscheidungen.

Ständig müssen wir uns entscheiden, welcher Mensch wir sein wollen und welche Art von Leben wir führen wollen, weil die Natur nicht für uns vorentschieden hat, Sonnenblume (und nicht Rose) oder Eichhörnchen (und nicht Anaconda) zu sein. Das ist unsere Last und unsere Lust, und an Karneval stürzen wir uns manchmal ganz gern in die ungehemmte Lust, um danach wieder besser und klarer zu erkennen, daß Last und Lust im alltäglichen Leben ausbalanciert werden müssen durch eine Ordnung, eben durch Zugstränge des Pferdegeschirrs. Ja, als Menschen gehen wir oft wie im Pferdegeschirr der alltäglichen Pflichten und sehnen uns nach unbändiger Freiheit.

Dann ist es gut, sich zu vergewissern: Die Stränge und die Ordnung wollen der Richtung im Leben dienen. Manchmal helfen gerade Momente der gedankenlosen Unordnung, um um sich danach wieder im Zaum zu halten. Und so wünsche ich Ihnen einen neuen und frischen und auch vielleicht heilsam ernüchterten Anfang nach Karneval.

Ihr Monsignore Peter Schallenberg aus Paderborn.

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