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Sonnenfinsternis: Licht und Schatten
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Kirche in WDR 3 | 12.08.2026 | 07:50 Uhr

Sonnenfinsternis: Licht und Schatten

Guten Morgen! Heute Abend kurz vor Sonnenuntergang ist es soweit: Es gibt eine partielle Sonnenfinsternis. Und ich bin schon sehr gespannt. Dann schiebt sich der Mond zwischen Erde und Sonne und wirft einen gewaltigen Schatten. Umgekehrt werden dann weite Teile der Sonne verdeckt sein und es bleibt nur noch eine kleine Sonnensichel zu sehen. Bis die nächste totale Sonnenfinsternis in Deutschland passiert, sind es noch gut 55 Jahre. Dann bin ich schon nicht mehr auf der Erde. Also hoffe ich, dass es heute Abend klappt, sich keine Wolken zwischen Mond und Sonne schieben und ich die Sonnensichel sehen kann.

Mich fasziniert dieses Ereignis. Es lässt mich noch mal ganz anders denken über die kosmischen Zusammenhänge, in denen ich hier auf der Erde lebe, klein und winzig in einem unendlichen Raum. Ich kann nur staunen über dieses Zusammenspiel der Himmelskörper, das wir beschreiben und berechnen können, aber auf das wir Menschen keinen Einfluss haben.

Immerhin: In der Antike haben solche Ereignisse die Menschen so bewegt, dass sie zum Beispiel Frieden schlossen. So geschehen im Jahre 585 vor Christus. Die beiden Völker der Meder und Lyder lagen schon sechs Jahre miteinander im Krieg als sich am helllichten Tag die Sonne verfinsterte. Geschockt von dem Ereignis legten sie die Waffen nieder. Bestimmt war es für sie ein Zeichen des Himmels, ein göttliches Zeichen. Ok. Sie konnten sich das auch noch nicht naturwissenschaftlich genau erklären. Aber sie ließen sich positiv beeinflussen durch solche Phänomene, die weit größer waren, als sie es sich vorstellen und erklären konnten.

Allerdings wurden Sonnenfinsternisse auch negativ gedeutet, als Zeichen von Gottes Zorn oder als Hinweis auf das Endgericht. Und dann wurden Ängste geschürt und Menschen manipuliert.

In der Bibel verbindet sich die Beschreibung des Todes Jesu, also des Sohnes Gottes mit einer Sonnenfinsternis. Als ob der Kosmos trauert, heißt es dann (Lk 23,45): „Es war schon um die sechste Stunde, als eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach – bis zur neunten Stunde. Die Sonne verdunkelte sich.“ In mittelalterlichen Kreuzigungsdarstellungen wird das dann auch so dargestellt: Die Sonne hält sich ein Tuch vor das Gesicht als Zeichen der Finsternis und der Trauer.

Für mich zeigt sich mit der Sonnenfinsternis und ihrer Deutung aber noch viel, viel mehr. Ich verstehe das nämlich auch als ein Bild für mein Leben, ganz allgemein für menschliche Erfahrungen: Wie viel Trauer und Leid gibt es, weil Leben verschattet wird? Da sind natürlich die Dinge, die ich nicht beeinflussen kann wie Krankheiten und Unfälle. Aber da sind auch andere von Menschen gemachte Dinge wie Krieg und Machtgier im Großen oder Ignoranz und Unaufmerksamkeit im Kleinen.

Zwischenmenschlich können wir eine Sonne sein, die Dinge zum Leuchten bringt, und eben auch ein Mond, der Dinge verschattet. Es liegt immer auch an mir, was wird, auch wenn ich nicht alles beeinflussen kann.

Interessant, wie dieses Naturereignis mich nachdenklich macht. Jetzt aber wünsche ich uns, für heute Abend eine gute Sicht. Und dass wir trotz aller Schatten die Sonne nicht vergessen, die Licht und Leben gibt.

Aus Duisburg grüßt Sie Pater Philipp Reichling




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