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Hörmal | 18.10.2026 | 07:45 Uhr
Hilde Domin zum 20. Todestag (Nicht müde werden)
„Nicht müde werden, sondern dem Wunder - leise wie einem Vogel - die Hand hinhalten.“
Kennst Du diese Zeile? Ist sie nicht wunderbar? So voller Hoffnung und Zuversicht? Allem zum Trotz!
Die Zeile ist von Hilde Domin – der berühmten jüdischen Lyrikerin. 1909 geboren und 2006 verstorben, also vor 20 Jahren. Im Alter von 96.
Nicht müde werden … Hilde Domin weiß, wovon sie redet. Bereits mit 23 Jahren muss sie vor den Nazis fliehen. Zunächst geht sie nach Italien, dann nach England und schließlich – 1940 - in die neue Welt: in die Dominikanische Republik. Immer an ihrer Seite: Erwin Walter Palm. Ihre ganz große Liebe. 56 Jahre lang – aber mit sehr vielen Höhen und Tiefen.
Sie sagt: Sie sei hineingestoßen worden in das Judentum und werde es nicht mehr los. Es klebe förmlich an ihr:
Alles muss intensiver gelebt werden, weil man als jüdischer Mensch immer wieder auf der Flucht ist.
Als Hilde Domin 1951 nach fast zehn Jahren das Land verlässt, schreibt sie: „Die Inselkäfigexistenz – ich wünsch ihr die Pestilenz“. Hilde Domin ist in einer schweren Krise, ihre Mutter stirbt, ihr Kinderwunsch unerfüllt, ihre Ehe unglücklich.
„Da stand ich auf und ging heim in das Wort, von wo ich unvertreibbar bin“. Nach 22 Jahren geht sie zurück nach Deutschland: „Als ich an Land ging, rief ich mich mit dem Namen einer Insel: Domin“.
Erst jetzt beginnt sie Gedichte zu schreiben. Bereits zehn Jahre später – 1964 - ist sie die erfolgreichste, deutsche Dichterin. Ihre Gedichte werden in 20 Sprachen übersetzt.
Nicht müde werden, woher hat Hilde Domin die Kraft genommen. Ihre enge Freundin und Biographin Marion Tauschwitz sagt: Sie selbst hat sich nicht als gläubige Jüdin oder Christin bezeichnet, aber sie hat an die Existenz Gottes geglaubt. Die Bitten Gott möge das Unglück von einem abwenden, seien jedoch vergeblich, sagt sie.
Domin schreibt: „Nimm eine Kerze in die Hand wie in den Katakomben, das kleine Licht atmet kaum. Und doch: Wenn du lange gegangen bist, bleibt das Wunder nicht aus, weil das Wunder immer geschieht, und weil wir ohne die Gnade nicht leben können“.
Starke Worte von einer starken Frau: der jüdischen Dichterin Hilde Domin.
Quellen:
Marion Tauschwitz: Hilde Domin, Biografie, Dass ich sein kann, wie ich bin, zu Klampen Verlag, 2015
DLF: „Ein Gott auf der Spitze des Augenblicks“ von Burkhard Reinartz am 13. November 2024
20:10 Uhr
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
