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Kirche in WDR 4 | 06.10.2026 | 08:55 Uhr
Isses Sünde Nazi-Vergleiche zu machen?
Isses Sünde Nazivergleiche zu machen? Auf Facebook, Instagram oder in den Talkshows vergeht kaum ein Tag, an dem nicht die sogenannte „Nazi-Keule“ geschwungen wird. Sei es bei Debatten über staatliche Auflagen, bei Vorwürfen gegen politische Gegner oder wenn es darum geht, den gestrengen Nachbarn schlecht zu machen. Aber wo verläuft die Grenze? Was ist noch sachlich und historisch korrekt? Was schießt über das Ziel? Diesen Fragen sind meine Freunde Alex, Christoph und ich einmal intensiv nachgegangen.
Das Thema ist hochempfindlich und verlangt Genauigkeit. In der Geschichtswissenschaft ist das Vergleichen ein normales und notwendiges Werkzeug. Vergleichen hiflt, Strukturen zu verstehen und historische Einordnungen machen zu können. Das Problem beginnt da, wo aus einem Vergleich eine Gleichsetzung wird. Und man muss ja sagen: Das Unrecht des Nationalsozialismus war beispiellos. Vergleiche können hier schnell instrumentalisieren oder gar verharmlosen.
Wer historische Ereignisse einfach gleichsetzt, um im Tagesstreit maximale Empörung zu erzeugen oder sich selbst stilisierend als Opfer darzustellen, nutzt das Leid von Millionen Menschen als bloße Kulisse. Das ist gegenüber den echten Opfern absolut inakzeptabel. Alex bringt es im Podcast auf den Punkt:
„Vergleichen darfst du, gleichsetzen darfst du nicht.“
Auf der anderen
Seite will ich auch nicht, dass wir aus Sorge vor falschen Gleichsetzungen die
Augen verschließen vor dem, was derzeit abgeht.
Christoph betont zum Ende unserer Runde, dass
das Benennen von Gefahren und das Ziehen historischer Parallelen in Ernstfällen
sogar eine Pflicht sein kann – sofern es mit der nötigen Verantwortung
geschieht:
„Ich finde, die Nazi-Keule muss in einem ganz sicheren Schrank stehen, und man muss sich ganz, ganz genau überlegen, wann man die rausholt. Ich glaube aber, dass es Situationen gibt, in denen hat man sogar die Pflicht, sie rauszuholen. Dann ist es vielleicht keine Keule, sondern ein eher geschliffenes Florett, ….“
Am Ende sind wir drei uns einig: Vergleichen ist erlaubt, wenn es dem Verstehen und dem Gedenken dient. Gleichsetzen und Relativieren hingegen verbieten sich vollkommen. Die Opfer des Nationalsozialismus dürfen niemals als Werkzeug für billige rhetorische Punkte im Alltag missbraucht werden.
Wie halten Sie es? Wo verläuft für Sie die Linie zwischen wachsamer Erinnerungskultur und unangemessener Relativierung? Schreiben Sie mir. Sie finden mich auf www.kirche-im-wdr.de.
Hinweis: Den Podcast „Isses Sünde“ finden Sie hier: https://bistum-osnabrueck.de/podcast/isses-suende-nazi-vergleiche-zu-machen/
Die aktuelle Folge finden Sie u.a. bei Spotify: https://open.spotify.com/episode/19Iip4kSazW7QTseHbAN4F
Und auch bei youtube: https://www.youtube.com/watch?v=LQFkk_esP5g
Kontakt: urs@dasbodenpersonal.de
