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Kirche in WDR 5 | 02.05.2026 | 07:55 Uhr
Wer bist du?
Guten Morgen.
Wenn ich bei einer Frage nicht weiterkomme, weiß die künstliche Intelligenz, kurz KI, meistens Rat. Ich finde es immer noch überraschend und etwas unheimlich. KI weiß alles – oder sagen wir lieber: Sie gibt auf alles eine Antwort. Die sollte man allerdings besser noch einmal überprüfen.
Aber es gibt Fragen, bei denen selbst die KI ratlos ist. Da hilft auch all das angehäufte Wissen nicht weiter. Zum Beispiel bei der Frage: Wer bin ich? Eine Frage, die so harmlos daherkommt und sich leise anschleicht, wie auf Filzpantoffeln. Und dann kriegt man sie einfach nicht mehr aus dem Kopf: Wer bin ich? Kann ich das eigentlich so genau sagen? Bin ich gerade einfach nur müde und stehe neben mir – oder bin ich eigentlich ganz gut drauf? Bin ich oft der, der ich sein möchte oder bin ich eigentlich ganz anders?
Wer bin ich? Ich stelle diese Frage einer Gruppe von jungen Erwachsenen und gebe dazu einen Würfel in die Runde. Sie schauen mich fragend an: „Sollen wir jetzt unsere Stimmung auswürfeln? Eins für supergut drauf, sechs für absolut mies gelaunt.“
Vielleicht
wäre die Idee gar nicht so schlecht. Ich erlebe, dass sie es selbst oft gar
nicht sagen können, wie es ihnen geht und ihre eigene Stimmung sehr schwankend
erleben. Da könnte man in der Tat gleich würfeln… Doch mir geht es in der Runde
um die verschiedenen Rollen, die wir im Leben haben und jede Zahl steht für
eine Rolle im Leben:
Wer bist du für deine Mitschülerinnen oder Kommilitonen?
Wer bist du für deine Eltern?
Wer bist du für deine Freunde oder Freundinnen?
Wer bist du für dich?
Wer bist du für Gott?
Natürlich muss niemand antworten. Man kann den Würfel auch weiterreichen. Aber es ist dann doch spannend, wie unterschiedlich die Antworten bei den verschiedenen Rollen ausfallen. Wer bist du für deine Freunde? Da fällt ihnen sofort was ein. Welches Bild sie vor den anderen abgeben oder abgeben möchten. Auch bei den eigenen Eltern ist es leicht. Interessant: Wer sie für ihre Freunde sind und wer für ihre Eltern – das ist oft ein ganz unterschiedliches Bild. Schwierig wird es, als der Würfel bei der Frage liegenbleibt: Wer bist du für dich? Da wird der Würfel gerne still weitergereicht.
Wer bin ich für mich?
Es gab Zeiten, in denen ich darauf auch nicht viel sagen konnte. Zeiten, in denen vieles fraglich war. Aber es gab und gibt für mich eine Konstante über alle Brüche, Zweifel und Neuanfänge hinweg. Die Antwort auf die Frage: Wer bin ich für Gott?
Wer ich auch sonst bin – ich bin ein von Gott geliebter Mensch, ich bin sein Kind.(1)
Und wenn ich vor dem Spiegel stehe und mich frage: „Wer bin ich denn heute?“, dann fällt mir manchmal ein Wort aus den Psalmen Davids aus der Bibel ein: „Gott, was ist der Mensch, dass du an ihn denkst? Wer ist er schon, dass du dich um ihn kümmerst! Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Dich selbst, Gott, mit Ehre und Würde hast du ihn gekrönt.“(2) Egal wie Sie sich selbst heute ansehen oder wie andere Menschen Sie ansehen. Sehen Sie bei sich selbst die Ehre und Würde, die Gott Ihnen verliehen hat
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5: )
Ihr Pastor Heinz-Bernd Meurer aus Velbert.
Quellen:
(1) Nach Die Bibel: Römer 8,16.
(2) Psalm. 8,5f Neue Genfer Übersetzung (NGÜ). Genfer Bibelgesellschaft Romanel-sur-Lausanne, Schweiz, Brunnen Verlag GmbH Gießen, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
