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Kirche in WDR 4 | 27.07.2026 | 08:55 Uhr
100 Kindergebete
Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist, ist das Wochenende auch schon wieder vorbei. Und auch die Schule. Sie hat schon eine Woche Pause. Und an den letzten Schultagen, da haben auch hier in Köln mit einigen Grundschulen Schulggottesdienste gefeiert. Auch in der Agneskirche. Sie können sich vorstellen, wie wunderbar bunt und wuselig es da zugegangen ist. Weil in diesem Gottesdienst auch die Kinder der vierten Klassen verabschiedet werden, die nach den Ferien in eine andere Schule wechseln, haben wir die Geschichte von Abraham erzählt. Gott fordert ihn ja auf, seine Heimat zu verlassen und auf seine uralten Tage noch mal aufzubrechen. Ich meine, wie würde es Ihnen gehen, wenn Gott zu Ihnen sagt: „Zieh aus deinem Reihenhaus aus! Ich weiß noch nicht genau, wo es für dich hin geht, aber deinen Rasenmäher und deinen Webergrill darfst du mitnehmen.“ Sie würden ihm vermutlich den Vogel zeigen. Wie mag es da erst den Kindern gehen, für die ihre Schule vier Jahre lang auch eine Heimat gewesen ist.
Es ist Sara, die Abraham schließlich Mut macht, auf Gottes unglaubliches Versprechen zu vertrauen. Dass es sich nämlich lohnt aufzubrechen. Die Viertklässler haben zum Abschied einen Stern bekommen. Als Erinnerung an Gottes verrückte Zusage: Wer sich auf den Weg macht, wird am Ende unter einem Himmel stehen, der voller Sterne ist.
Und dann. Dann kommen die Fürbitten. Ich frage dann immer: „Für wen wollen wir heute beten? Komm zu mir und sag dein Gebet ins Mikrofon.“ Und ob Sie es glauben oder nicht: An diesem Tag sind ungefähr hundert Kinder gekommen. Vielleicht auch mehr. Es war unglaublich. Viele haben für ihren verstorbenen Opa gebetet und dafür, dass an ihre tote Uroma noch einer denken soll. Viele für ihre Katze, die nicht mehr lebt und für den Hund, dass er noch lange umherspringt. Wieder andere für die Tiere im Krieg, an die keiner mehr denkt. Auf diesen Gedanken wäre ich nie gekommen. Für Alexander, einen jungen obdachlosen Mann, der vor ein paar Tagen bei uns vor einem Geschäft gestorben ist, an ihn haben auch viele gedacht. Andere haben dafür gebetet, dass Menschen endlich freundlicher miteinander umgehen. Dass endlich der Krieg aufhört. Dass keiner allein leben muss und alle genug zu essen haben. Immer nach zehn Fürbitten haben wir zusammen gesungen: „Sei mutig und stark und fürchte dich nicht, denn der Herr, dein Gott, ist bei dir.“ Was für eine lange Prozession der Hoffnung! Gänsehaut.
Mich jedenfalls trägt dieser Gottesdienst mit den Gebeten
der Kinder durch die Ferien. Und darüber hinaus. Ich hab an diesem Tag viel von
ihnen gelernt. Vielleicht verstehen Kinder etwas vom Beten, das wir Erwachsene
längst verlernt haben. Kinder rechnen tatsächlich damit, dass einer zuhört.
Nicht, weil sie naiv wären. Aber vielleicht glauben Kinder noch, dass Worte
Gewicht haben. Dass Liebe etwas verändern kann. Und dass Gott kein
theologisches Konzept ist, sondern einer, der da ist. Und dass einer da ist,
das ist wichtig. Denn nur, wo einer ist wird etwas anders. Wird mehr Licht,
mehr Leben, mehr Liebe. Womöglich beginnt genau da der Himmel: Da, wo Menschen
ihre Hoffnungen laut sagen, obwohl die Welt genügend Gründe liefert, still zu
sein. Jeden Tag. Auch in den Ferien. Und nicht nur an diesem Montagmorgen.
