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Kirche in WDR 2 | 13.10.2026 | 05:55 Uhr
Im Schnee
Habt Ihr den Film „Die Schneegesellschaft“ gesehen? Er läuft auf Netflix und erzählt aus der Perspektive des Jurastudenten Numa Turcatti (Nu-ma Tur-kát-ti) eine Geschichte, die über fünfzig Jahre alt ist. Es geht um das berühmte „Wunder der Anden“ von 1972. Eine junge Rugby-Mannschaft, einige Verwandte und Betreuer stürzen am 13. Oktober mit dem Flugzeug mitten in den Anden ab, in eisigen 3.000 Metern Höhe. Meterhoch Schnee, keine Winterklamotten und fast kein Essen. Nach ein paar Tagen hören die Überlebenden über ein winziges Radio: Die Suche nach ihnen wird abgebrochen. Die Welt hat sie aufgegeben.
Ganz ehrlich: Was würden wir tun? In fast jedem Hollywood-Film bricht in so einem Moment das Recht des Stärkeren aus. Jeder kämpft für sich allein, Panik regiert.
Aber da oben im Eis passiert das genaue Gegenteil. Die jungen Leute um Numa teilen alles. Die Medizinstudenten übernehmen die ärztliche Versorgung. Andere bauen aus Flugzeugteilen Schneeschmelzer, um Trinkwasser zu gewinnen, oder nähen Schlafsäcke aus der Isolierung der Kabine. Nachts liegen die jungen Männer eng zusammen, diskutieren über Gott, den Sinn ihres Überlebens und ob man die schon Verstorbenen essen darf.
Sie treffen eine krasse Entscheidung, um nicht zu verhungern. Sie essen das Fleisch der Toten. Sie schließen quasi einen Pakt der Nächstenliebe. Numa weigert sich am längsten. Als er später selbst stirbt, hinterlässt er den anderen einen Zettel in der Hand. Darauf steht ein Zitat aus dem Johannes-Evangelium, das genau diesen Pakt besiegelt: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Johannes 15,13)
Das ist ziemlich packend. Weil es zeigt: Das Ganze ist kein moralischer Verfall, sondern ein spiritueller Moment in Eis und Schnee. Gott steckt da nicht in einem fernen Wunder am Himmel. Er steckt in den Augen des anderen. In dem Versprechen: Ich bin für dich da.
16 der insgesamt 45 Menschen an Bord des Flugzeugs haben überlebt. Nach 72 Tagen sind sie endlich in Sicherheit. Ihre Strategie: Ich kann für den Menschen neben mir da sein. Manchmal reicht genau das. Einander wärmen, wo es gerade kalt wird. Im Büro, im Bus, in der Familie oder in einem Bundesland.
Quellen:
https://nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2024/02/katastrophenflug-571-unvorstellbarer-kampf-ums-ueberleben/
https://en.wikipedia.org/wiki/Numa_Turcatti
https://www.netflix.com/de/title/81268316
(alle zuletzt abgerufen am 9. September 2026)
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Sch
