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Kirche in WDR 2 | 12.09.2026 | 05:55 Uhr
Kinoverkündigung
Ein linkes Künstlerkollektiv will ein neues Stück auf die Beine stellen – und das ausgerechnet in Peenemünde, wo in der NS-Zeit Raketen entwickelt wurden. Als Teil des Teams nehmen sie auch Bernd mit, einen Schauspieler mit Behinderung. “Bernd“ heißt auch der Film, der seit dieser Woche im Kino läuft. Vor der Ankunft an der Ostsee ist das Team guter Dinge – und stolz auf sich.
„Also zum Beispiel, dass man
sagt, wir haben jemanden im Ensemble wie Bernd, das ist ja schon eigentlich
Position genug.
- Das ist auch schon
eine Aussage, die auch schon wertvoll
ist. - Ja total.“
Aber Bernd stellt die Gruppe bald auf die Probe. Denn er ist fasziniert vom Nationalsozialismus, zeigt sich sexistisch, rassistisch und respektlos.
„Eine neue Welt wird entstehen, eine reine! - Das darf nicht nochmal vorkommen, verstehst du das? - Halt jetzt einfach einmal deine vorlaute Klappe, ja?!“
Das kratzt nicht zuletzt gehörig am Selbstverständnis der Gruppe: Denn die versteht sich als progressiv und Menschen zugewandt. Aber der Schauspieler mit Behinderung und Rechtsdrall wirft sie aus der Bahn. Aus Haltung wird Hass, aus Humanismus Gewalt. Bernd stürzt alles ins Chaos.
„Sie haben uns glauben machen wollen, sie wären Demokraten, wären für uns da! - Wenn ich Bock auf so einen reaktionären Spasti gehabt hätte... - Kannst du etwas leiser sein - ...und von euch kommt nix! - Steht auf, liebe Leute, für die Freiheit, gegen die Intoleranz und gegen den Hass!“
Tja….da ist sie wieder, die alte Frage: Wie viel Intoleranz verträgt eine tolerante Gesellschaft, bis sie sich selbst abschafft? Genau da liegt der Punkt. Wobei im Film die eigene Toleranzen ganz schnell aufgegeben werden. Das ist zwar auch komisch, aber entlarvend: Die Fassade aus Offenheit und Verständnis bröckelt, sobald ein Teammitglied sich nicht so verhält, wie es die anderen erwarten.
Es hat nur einer gereicht, um das ganze Selbstbild einer Gruppe zu Fall zu bringen. So einfach ist es manchmal, so schnell kippt die Stimmung. Was im Film im Kleinen geschieht, erleben wir auch gerade gesellschaftlich, nicht nur bei den Landtagswahlen. Die Frage an jeden ist: Wie setzen wir denen Grenzen, die gegen die freie, demokratische Gesellschaft sind – ohne dabei unsere eigenen Ideale zu verraten? Denn als toleranter Mensch möchte man ja eben nicht zu Unterdrückung und Gewalt greifen.
Damit es nicht so weit kommt, hilft nur die richtige Vorbereitung: Sich mögliche Szenarien realistisch vor Augen führen, mit Gleichgesinnten vernetzen und dabei Grenzen nicht nur festlegen, sondern auch gemeinschaftlich und konsequent verteidigen. Da könnten wir auch mal etwas mehr „Verfassungspatriotismus“ an den Tag legen. Denn das Grundgesetz ist robust – und seine Mittel dürfen und sollten wir ausschöpfen.
