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Internationaler Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung
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Sonntagskirche | 23.08.2026 | 08:55 Uhr

Internationaler Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung

Guten Morgen. Manchmal kann man sich auch sonntags nicht um unangenehme Termine herumdrücken. Heute ist so ein Tag. Heute gedenkt die Weltgemeinschaft des Sklavenhandels und seiner Abschaffung. Heute vor genau 235 Jahren begann auf dem Gebiet des heutigen Haiti der wichtigste Sklavenaufstand der Geschichte. Dann dauerte es drei Jahre bis zum Verbot der Sklaverei. In seiner Folge wurde aus der französischen Kolonie Saint Domingue in der Karibik mit Haiti die erste selbständige Nation Lateinamerikas. Die UNESCO denkt heute, am 23. August, an diese Ereignisse und an die Unmenschlichkeit der Sklaverei.

Das alles scheint lange in der Vergangenheit zu liegen – fast vergessen. Und doch stolpere ich auch heute immer wieder über perfide Formen moderner Sklaverei, die die Zustände des 18. Jahrhunderts locker in den Schatten stellen. Ich denke da etwa an Sex-Arbeiterinnen, die gnadenlos ausgebeutet und wie damals auch verkauft werden. Und ich denke da an manchen Ernte- oder Fleisch-Arbeiter, der unter fragwürdigen Umständen meist aus Osteuropa zu uns gekommen ist, hier etwa für unser Sonntagsessen, das gleich auf dem Tisch stehen wird, schuftet und ansonsten wie zu alten Zeiten wie ein Sklave gehalten wird. Diese Reihe ließe sich sicherlich noch lange fortsetzen.

In den katholischen Gottesdiensten heute erzählt der Evangelist Matthäus von Jesus, der seinen Freunden eine ganz entscheidende Frage stellt: Für wen haltet ihr mich? Und diese Frage dringt durch den Bibeltext, der in den Kirchen gelesen wird, bis heute durch: Für wen haltet ihr diesen Jesus von Nazareth? In der Bibelgeschichte halten die Menschen rund um Jesus ihn für alles mögliche: Jeremia, Elija, Johannes den Täufer oder sonst einen der Propheten. Ich glaube, das wäre bei uns nicht anders. Sie machen sich eben so ihre Gedanken. Und dann die entscheidende Frage an jeden einzelnen – auch von uns: Ihr aber – für wen haltet ihr mich?

Halte ich Jesus wirklich für den, der die Verhältnisse ändern kann? Traue ich ihm das heute auch noch zu? Die aufständischen Sklaven Ende des 18. Jahrhunderts haben oft ihre ganze Hoffnung auf ihren Glauben an Jesus gesetzt – das wissen wir heute. Wäre ich heute eigentlich auch in der Lage, ihm diese Wirkmächtigkeit gegen die bösen Mächte zuzutrauen, die unser Leben aktuell so bedrohen? Welche Rolle spielt der Glaube in all‘ den Transformationsprozessen, die im Gang sind oder deren Start wir uns etwa geopolitisch wünschen? Traue ich Jesus, traue ich Gott da tatsächlich eine entscheidende Rolle zu?

Ich weiss: In der aufgeklärten Welt ist das schwer, sich das vorzustellen: Wie Gott eine entscheidende Rolle spielen kann? Ich denke an nichts Magisches. Ich denke aber schon an Wunder. Denn die Kraft des Glaubens hat nicht nur den Kämpfern gegen die Sklaverei die Herzensrichtung gegeben und den Durchhaltewillen. Das gilt auch bis in unsere Zeit. So wie mal der einstige UNO-Generalsekretär Dag Hammerskjöld sagte: „Das Seil über dem Abgrund wird von denen gespannt, die es am Himmel fest machen“. Gottvertrauen ist also nichts für Ewiggestrige, sondern etwas für die, die die Welt von morgen gestalten wollen.


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