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Der Tag dazwischen
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Kirche in WDR 4 | 04.04.2026 | 08:55 Uhr

Der Tag dazwischen

Guten Morgen,

wie verbringen Sie den heutigen Tag? Ich finde, der Karsamstag ist ein merkwürdiger Tag. Ein Tag irgendwie dazwischen - zwischen Tod und Leben; zwischen Altem und Neuem. Der Karfreitag, der Todestag Jesu, ist vorbei. Ostern, das Fest der Auferstehung liegt noch vor uns. Karsamstag ist im Christentum ein Zwischentag.

Wenn man in die Bibel schaut: Da passiert Karsamstag scheinbar nicht viel, ja eigentlich gar nichts. Jesus ist zum Tod verurteilt worden und gestorben. Seine Freunde sind kopflos abgehauen. Ihre Hoffnungen und ihr Glaube scheinen zerstört und mit Jesus begraben. Die Frauen, die Jesus nachgefolgt sind, sind noch nicht aufgebrochen zum Grab, um nach seinem Leichnam zu schauen. Traurigkeit, Schweigen, Leere prägen den Tag nach der Katastrophe. Und Gott? Gott scheint auch zu schweigen.

Ich kenne solche „Karsamstags Momente“ aus meinem eigenen Leben. Und Sie vielleicht auch. Ein Mensch stirbt, der mir nahegestanden hat, eine lange Freundschaft zerbricht, eine schwere Diagnose steht im Raum. Alles fühlt sich plötzlich falsch an, unwirklich, und ich bin wie betäubt. Die eigene Welt steht auf einmal still. Fassungslosigkeit macht sich breit. Und Gott? Gott scheint zu schweigen.

Karsamstag heißt: Aushalten müssen, dass es keine Antworten gibt und keine schnellen Lösungen. Diesen Schwebezustand zu ertragen, dass etwas zu Ende gegangen ist und noch unklar ist, ob und wenn ja, wie es jetzt weitergeht. Aber Karsamstag als Tag „dazwischen“ heißt eben auch: Da kommt noch etwas.

Das Apostolische Glaubensbekenntnis, das Christinnen und Christen auf der ganzen Welt verbindet, sagt: Christus, der Sohn Gottes, ist „hinabgestiegen in das Reich des Todes“. Das heißt für mich: Es gibt keinen Ort der Gottverlassenheit mehr, den Gott nicht selbst betreten hätte. Kein Grab, keine Nacht, kein Abgrund menschlicher Verzweiflung bleibt unberührt von seiner Gegenwart. Christus geht dorthin, wo wir nicht mehr weiterwissen, wo Hoffnung erloschen scheint, wo Leben zerbrochen ist. Er teilt das Los der Toten und der Verlorenen als einer, der selbst das Sterben bis zum Tod erlitten hat. Darum ist auch im tiefsten Dunkel schon eine verborgene Nähe Gottes. Der Karsamstag sagt: Gott hat sich in seinem Sohn Jesus Christus bis an den Grund unseres Verlorenseins begeben, damit keiner dort alleine ist.

Und so macht sich das Neue schon auf den Weg, das zu Ostern hervorbrechen wird, wie die Sonne eines neuen Tages die Dunkelheit der Nacht durchbricht.

Der Karsamstag lädt mich ein, meine eigenen Zwischenzeiten Gott hinzuhalten: das Unfertige und das Zerbrochene. Ich muss das Dunkel nicht beschönigen – Gott selbst ist darin schon gegenwärtig. Vielleicht geschieht das Neue oft leise, verborgen, unter der Oberfläche dessen, was ich wahrnehmen kann. Wo ich nichts mehr erwarte, hat Gott längst begonnen zu handeln. So bedeutet Karsamstag vielleicht: warten lernen – nicht resigniert, sondern mit dem, was noch unfertig und ungeheilt ist, dem Osterlicht entgegengehen. Und wer weiß: Vielleicht kann ich den Funken Hoffnung spüren, der aus dem Glauben kommt: Gottes Weg führt durch den Tod ins Leben.


(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und WDR 5:)

Es grüßt sie herzlich

Ihr Dietmar Arends aus Detmold.



Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze


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