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Kirche in WDR 2 | 22.10.2026 | 05:55 Uhr
Das wünsch ich mir
In der Nacht von heute auf morgen gibt’s beste Bedingungen, um Sternschnuppen zu sehen. Und dann natürlich: Wünsche in den Himmel schicken! Ich hab schon einen Wunsch. Auch, wenn man die ja eigentlich nicht weitersagen darf, möchte ich das hier jetzt trotzdem mal tun, weil die Geschichte, die im Hintergrund steht, lohnt es, erzählt zu werden:
Ulrike kennt ihren leiblichen Vater nicht, mit ihrem Stiefvater und ihrer Mutter ist sie aufgewachsen. Und „Stiefvater“ klingt ja schon nach einem Märchen, das nicht unbedingt harmonisch verläuft. Und so war es dann auch. Ihr Stiefvater hatte viel zu viel Interesse an Alkohol und weniger Interesse an einem gut funktionierenden Familienleben. Als Ulrike so ca. 17 Jahre alt war, eskaliert die Situation komplett, ihr Stiefvater packt sich ein Messer und will damit auf ihre Mutter los. Gott sei Dank ruft Ulrike die Polizei, die dann auch schnell genug da ist und den Stiefvater erstmal mitnimmt. Ulrike hat damit wirklich das Schlimmste verhindert und ihrer Mutter das Leben gerettet. Aber: Ihr Stiefvater kommt nach einer kurzen Zeit im Polizeigewahrsam wieder zurück und: wirft Ulrike aus dem Haus raus. Von da an lebt sie für eine Zeit lang bei einem Onkel. Das alles ist ganz lange her. Ulrike hat ihr Leben wirklich gut gemeistert. Der Stiefvater ist mittlerweile alt und weiß, dass er nicht mehr lange leben wird.
Ulrike hat mir erzählt, da ist was passiert, das kann sie selbst kaum fassen. Ihr Leben lang kennt sie ihn als Tyrannen, für den der Alkohol so wichtig war. Und ganz kurz vor dem Ende seines Lebens verändert sich da was. Auf einmal ist er nicht mehr laut und herrisch und … arschig. Auf einmal ist er ganz leise und sagt seiner Stieftochter Ulrike, die er ja, als sie Jugendliche war, aus dem Haus rausgeworfen hatte – er sagt ihr: „Du bist eine Lebensretterin!“
Wow. Auf diesen Satz und seine neue Haltung hatte sie vermutlich ihr ganzes Leben lang gewartet. Und jetzt war beides da: Der Satz und dieser Mann war auf einmal ganz anders. Dieser lebenslange Kampf um Liebe, der Alkoholkonsum und die ganze Scheiße, die sie erlebt hatte, … traten so Schritt für Schritt in den Hintergrund. Und im Vordergrund stand auf einmal: die wirkliche Möglichkeit, sich ganz anders begegnen zu können. Und zwar mit Wohlwollen und … ja, sowas wie mit liebevoller Zuwendung, die von beiden auf einmal ausging. Ulrike hat mir gesagt: Michael, du wirst es nicht glauben, aber das alles hatte eine so unglaubliche Kraft. Das habe ich so noch nicht erlebt. Phänomenal. Heilsam! „Du bist eine Lebensretterin!“, diesen Satz und vor allem wie ihr Stiefvater diesen Satz gesagt hat, wird sie nie mehr vergessen und trägt sie nun durch ihr Leben ohne den Vater.
So, nun zurück zu den
Sternschnuppen und den Wünschen: Es heißt ja immer, dass die
Liebe eine ganz starke Kraft ist und sich am Ende durchsetzt. Und dass das
nicht nur in Spielfilmen so funktioniert, … genau das kann Ulrike bestätigen.
Na, dann bitte: Sternschnuppen
aufgepasst!Hier kommt der Wunsch: Bitte mehr davon. Bitte mehr
solcher Erfahrungen, dass Liebe am Ende stärker ist. Bitte mehr „zur Vernunft
kommen“! Wir brauchen das gerade dringend!
