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Kirche in WDR 2 | 23.09.2026 | 05:55 Uhr
Erfahrungsaustausch
„Warum hört der nicht endlich auf und gönnt sich seinen Ruhestand?“ Ich sitze mit einigen Leuten im Restaurant. Und wir sind beim Thema Rente gelandet. Konkret: bei einem Politiker, der dem Hörensagen nach bei der nächsten Wahl nochmal antreten will, trotz seines Alters. Die Meinungen gehen auseinander: „Was kann einem Besseres passieren, als endlich nur noch freie Zeit zu haben?“ So fasse ich mal die eine Position zusammen. Und die andere: „Diese ganze Freiheit kann ganz schön Angst machen.“ Mein Renteneintritt liegt noch in ziemlich ferner Zukunft. Aber: Ich kann mit beidem was anfangen. Manchmal denke ich schon jetzt: Dann habe ich endlich mehr Zeit für das, was jetzt zu kurz kommt. Und zugleich wird es komisch sein, nach so vielen Jahren keine vorgegebene Tagesstruktur mehr zu haben.
Als wir an diesem Abend im Restaurant darüber sprechen, gucke ich in die Runde und stelle fest: Halbe Halbe. Die Hälfte ist schon im Ruhestand, bei den anderen dauerts noch. Und die, die schon soweit sind, nicken wissend, als es darum geht, wie herausfordernd das sein kann, sich an diese neue Lebensart gewöhnen zu müssen. Einer bringt das ins Wort: „Die ganze Erfahrung, die man hat, ist nicht mehr gefragt. Da kann man sich ganz schön unnütz vorkommen.“ Und da herrscht Einigkeit am Tisch: Sich unnütz vorkommen ist kein gutes Gefühl.
Wenige Tage später sitze ich in einer anderen Runde. Alle sind deutlich jünger als ich. Und sie haben gerade ganz andere Herausforderungen. Nämlich die, nach dem Abschluss an der Uni einen Job zu finden. In vielen Bereichen ist das derzeit ein großes Problem. Es gibt wenige Stellen und die, die es gibt, werden für Menschen ausgeschrieben, die schon Berufserfahrung mitbringen. Weil viele Unternehmen Mitarbeitende wollen, die direkt einsatzfähig sind und nicht erst den Weg von der Theorie in die Praxis üben müssen. Einige in dieser Runde schreiben seit Monaten Bewerbungen und kassieren nur Ablehnungen. Auch von denen höre ich, dass sie sich mitunter ganz schön unnütz vorkommen. Und da frage ich mich: Warum bringt man diese Menschen nicht zusammen? Vielleicht gibt es sowas ja schon – eine Art Mentorenprogramm für solche, die reich an Berufserfahrung sind und auch aus dem Ruhestand heraus Lust haben, das weiterzugeben und solche, die überhaupt erst ins Erwerbsarbeitsleben reinkommen wollen? Aber so richtig flächendeckend ist das noch nicht angekommen, ist mein Eindruck. Was für eine Verschwendung! Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass kein Mensch unnütz ist. Und das sich niemand so vorkommen sollte. Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, seine Fähigkeiten einzubringen und weiterzuentwickeln. Und dazu braucht es Gelegenheit für echten Erfahrungsaustausch. Kann mir doch keiner erzählen, dass das nicht absolut nützlich wäre!
