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Hörmal | 23.08.2026 | 07:45 Uhr

Gemeinsinn

Was für ein Fest! Das Brautpaar hat für wenig Geld den großen Saal der Kirchengemeinde angemietet, alles ist geschmückt, nach und nach kommen die Gäste herein, und jeder bringt etwas mit fürs Buffet. Eine große Schüssel Salat, eine Platte mit Vorspeisen, Baguette und Käse… Das habe ich lange nicht mehr erlebt. Hochzeiten sind heute Events geworden, die viele tausend Euro kosten mit professionellem Catering, Kamerateam und DJ. Bei meiner alten Studienfreundin ist es anders. Die meisten hier wissen: Die beiden, die hier heiraten, haben’s nicht so dicke. Die einfache Lösung: Jeder bringt etwas mit. Es wird ein tolles Fest.

Was es dafür gebraucht hat, war eigentlich nur ein wenig Gemeinsinn.


Wir Menschen haben einen sechsten, sozialen Sinn. Das zeigen Jahrtausende alte Knochenfunde. Knochen, die verheilt sind. Ein Mensch mit einem gebrochenen Oberschenkelknochen hat überlebt, weil sich jemand um ihn gekümmert hat, ihm zu essen und zu trinken gegeben hat und bei ihm geblieben ist, damit er gesund werden kann. Mich fasziniert das: Die ersten Anzeichen menschlicher Zivilisation sind tatsächlich keine Werkzeuge oder Waffen, sondern die Fähigkeit, sich um andere zu kümmern. Das macht mir Mut.


Dass wir daneben auch die Angst haben, zu kurz zu kommen und oft zuerst an uns denken, zeigt eine biblische Geschichte. Da ist Jesus den ganzen Tag mit seinen Freunden unterwegs und viele Menschen folgen ihm – bis zum Abend ist es eine ziemlich große Menge geworden. Seine Freunde machen sich Sorgen: „Es ist spät geworden, für so viele können wir jetzt kein Brot mehr kaufen. Besser, du schickst sie weg.“ Jesus erkundigt sich: „Was haben wir denn?“ „Fünf Brote und zwei Fische, das ist alles.“ Er überlegt. Seine Idee: „Lasst die Leute sich lagern, in Gruppen. Und dann teilt, was wir haben.“ Was dann geschehen ist, wird nicht mehr erzählt. Wahrscheinlich haben dann plötzlich alle geteilt, was sie an dem Tag dabeihatten. Berichtet wird nur das Ergebnis: Am Ende blieben noch 12 Körbe mit Essen übrig. (Mk 14,30-44).


So war’s auch auf der Hochzeit meiner alten Freundin. Am Ende konnten alle noch etwas von den Resten mit nach Hause nehmen. Gemeinsinn: Wie gut, dass wir Menschen diesen sechsten Sinn haben. So lässt es sich feiern und so lässt es sich leben!



Redaktion: Landespfarrerin Julia-Rebecca Riedel



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