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Kirche in WDR 2 | 30.10.2026 | 05:55 Uhr
Immer nur Pech
„Warum?“, sagt sie. „Warum habe ich immer nur Pech?“ Und sie erzählt. Von ihrer Kindheit, eine traurige Geschichte von Lieblosigkeit und Gewalt. Sie erzählt, wie sie es irgendwann nicht mehr aushält und wegläuft. In einem Alter, in dem andere noch von ihren Eltern gut versorgt werden, muss sie ganz allein klarkommen. Irgendwie. Sie erzählt von gescheiterten Beziehungen. Von einer bedrohlichen Krankheit. Immer ist etwas. Nie gibt es Ruhe, nie Zeiten, in denen mal alles einfach nur sonnig und hübsch ist. Als würde das Leben aus reiner Bosheit mit Steinen nach ihr werfen: Mal sehen, wo wir sie jetzt treffen können.
Sie tut mir leid.
Aber irgendwie bewundere ich sie auch.
Da sitzt eine Frau, der das Leben so übel mitgespielt hat, der so viele Menschen so viel angetan haben. Aber da sitzt auch eine starke Frau, die trotz allem ihren Weg gemacht hat.
Das Leben hat es ihr immer und immer wieder schwer gemacht. Aber sie ist weitergegangen. Schritt für Schritt. Bewundernswert, finde ich. Und ich sage ihr das auch. Sie schaut mich verwundert an. „So habe ich das noch nie gesehen.“, sagt sie.
Der Apostel Paulus hat einmal gesagt: „Ich trage meine Schwäche gern, ja, ich bin stolz darauf, weil dann Christus seine Kraft an mir erweisen kann.“ (2. Korinther 12,9)
Für mich hat sich das immer seltsam angehört. Wie kann man stolz auf seine Probleme und Schwierigkeiten sein? Seit dem Gespräch mit dieser Frau habe ich eine Ahnung, was Paulus meint. Er ist stolz darauf, weil er weiß: Ich bin da durchgekommen! Ich weiß jetzt, ich kann das. Schwierigkeiten überwinden, Not aushalten, traurig sein. Das bricht mich nicht. Und Paulus fühlt auch: Das habe ich nicht alleine schaffen müssen. Wenn es darauf ankommt, habe ich Rückenwind gehabt. Eine Kraft, die immer dann aufgetaucht ist, wenn der Weg am schwersten und meine Kraft am Ende gewesen ist. Paulus sagt: Gott hat mich da durchgetragen.
Ich stelle mir vor, wie das ist, sich nicht nur daran zu erinnern, was alles schiefgegangen ist. Sondern auch daran, was ich alles schon geschafft und durchgestanden habe! Echt stark! Ganz allein. Oder mit Rückenwind von lieben Menschen. Von Gott.
Ich stelle mir vor: Wenn man sich so erinnern kann, muss man sich eigentlich vor nichts mehr fürchten.
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
