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Welches Recht?
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katholisch

Hörmal | 11.01.2026 | 07:45 Uhr

Welches Recht?

Ich weiß natürlich nicht, ob J.D.Vance heute zur Messe geht. Aber: Immerhin gibt er sich als strenggläubiger Katholik. Und so gehe ich mal davon aus, dass auch der US-Vizepräsident im Gottesdienst sitzt. Und dann wird er die Texte hören aus der Bibel, die heute weltweit zur sogenannten Leseordnung der katholischen Kirche gehören.

Und dann wird er zunächst Jesaja hören, den Propheten aus dem Alten Testament: „Siehe, (…) das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. (…) Er bringt den Nationen das Recht. Er schreit nicht und lärmt nicht (…) Das geknickte Rohr zerbricht er nicht; ja, er bringt wirklich das Recht.“ (Jes 42,5a.1–4.6–7)

Und dann wird er Petrus hören, in einer großen Rede, die in der Apostelgeschichte zu finden ist: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott (…) in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.“ (Apg 10, 34–38)

Tja – und dann wird vielleicht auch der US-Vizepräsident darüber nachdenken, wie ich gerade, dass es in diesen Lesungen nicht nur ums Recht geht, sondern um Gerechtigkeit. „Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen.“, sagt Jesus dann noch im heutigen Evangelium (Mt 3, 13–17).

Nun, ich weiß nicht, was J.D. Vance dann denken wird. Aber im noch neuen Jahr steht ja das Thema Gerechtigkeit massiv im Raum. Nicht nur im Kirchenraum. Denn: Was die US-Regierung in Venezuela gemacht hat: War das gerecht?

Den Präsidenten einfach so zu kidnappen – selbst wenn der ein korrupter Diktator war?! – So was war schon immer schwierig. Bei Iraks Diktator Saddam Hussein hatte die US-Regierung zumindest noch versucht, sich vor der Weltöffentlichkeit zur rechtfertigen. Im Sinne des Völkerrechts war das damals nämlich nicht. Und jetzt, bei Nicolas Maduro hält es die Trump-Regierung noch nicht mal für nötig, sich irgendwie zu erklären. Das Recht, was da gesprochen hat, das war das kaltblütige Recht des Stärkeren.

„Er schreit nicht und lärmt nicht“? „Das geknickte Rohr zerbricht er nicht“? ... Nein, das, was in Venezuela passiert ist, ist was anderes. Und was die USA da gemacht haben, das kann in diesem Jahr noch viel bedeuten. Für die Ukraine, z.B., aber auch für Taiwan. Mir fröstelt es vor den aufkommenden Zeiten.

Und ich ertappe mich dabei, dass ich mir mehr christliche Politiker wünsche – aber vom alten Schlag. Die auch Grenzen kennen – um des Rechts der Schwächeren willen.

Einer, der sicher mit allen Wassern des politischen Spiels gewaschen war, der wäre Anfang der Woche 150 Jahre geworden: Konrad Adenauer. Sicher kein Heiliger. Aber: seinen christlichen Kompass hatte Adenauer fest. Und er hatte selbst die Gräuel erlebt einer Diktatur, die das Recht beugt, wie sie will. In seiner Weihnachtsansprache von 1958 sagte er: „Das Recht war auf die Dauer immer stärker als die Gewalt und wird es auch in Zukunft sein.“[1]

Ich will hoffen, dass er damit Recht hat. Dass das nicht „Geschwätz von gestern“ ist, sondern, dass auch weiterhin Politik nach den Spielregeln von Recht und Gerechtigkeit passiert. Und dass Adenauer vielleicht dann doch unrecht hatte, mit diesem anderen berühmten Ausspruch, den er natürlich – rheinisch-katholisch – so halbernst meinte: „Ich habe seit vielen Jahren immer gesagt, Gott ist eigentlich ungerecht gewesen; er hat der menschlichen Dummheit keine Schranken gesetzt, wohl aber der menschlichen Klugheit.“[2]

[1] https://www.konrad-adenauer.de/zitate/einsichten/ [2] https://www.konrad-adenauer.de/zitate/einsichten/


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