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Kirche in WDR 2 | 17.03.2026 | 05:55 Uhr
Ewigkeitsorte
Der Platz rund um die kleine Kirche ist der schönste Ort im Dorf. Im Sommer leuchtet hier das Grün der Bäume im Sonnenschein. Im Winter wirkt die schneebedeckte Kirche wie verzaubert. Ich bin gerne hier. Vor fünfundzwanzig Jahren konfirmiert mich der Ortspastor. Später dann auch meine Geschwister. Dann besuche ich in dieser Kirche regelmäßig die Gottesdienste und interessiere mich für Theologie. Irgendwann halte ich an diesem Ort meine erste eigene Predigt. Wenn ich die Kirche heute betrete, fühle ich mich mit vielen Momenten aus meiner Vergangenheit verbunden. Sie sind mir wieder zum Greifen nah. Als könnte ich Raum und Zeit einen Augenblick lang überwinden und in die Ewigkeit eintauchen.
Die alte Dorfkirche ist etwas Besonderes. Wie ein großer, prächtiger Baum, der Jahrzehnte und Jahrhunderte überdauert. Aber es ist mittlerweile schwer sie zu erhalten. Das Geld reicht nicht mehr.
Der Verein Baukultur NRW hat die Ausstellung „Kirchen als Vierte Orte – Perspektiven des Wandels“ ins Leben gerufen. Sie zeigt Kirchen, die auf neue Art genutzt werden: als Restaurant, Wohnraum, Ausstellungsfläche oder Kolumbarium. Vieles ist möglich und architektonisch durchaus beachtenswert. Man muss nur ein bisschen umdenken.
Und trotzdem möchte ich meine Heimatkirche nicht verlieren.
Wieder einmal betrete ich das Gotteshaus, mit dem ich so viel verbinde. Ich setze mich in eine Bank. Ich bewundere die Lichtstrahlen, die durch die bunten Fenster fallen. Ich bin hier einen Moment ganz für mich. Geschützt vor Alltäglichem, geborgen in diesem besonderen Ewigkeitsgefühl. Es hängt jedoch nicht nur an diesem Ort. Meine Emotionen hängen vielmehr an all den Erinnerungen. Wie ein Stück Ewigkeit, das Gott in mein Herz gelegt hat.
Ich gehe hinaus und streiche mit meiner Hand liebevoll über das alte, lackierte Holz.
Kurz vor der Tür drehe ich mich noch einmal um. Über dem Altar leuchtet der auferstandene Jesus. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt und was aus dieser Kirche einmal wird.
Aber in diesem Augenblick weiß ich: Es wird trotzdem weitergehen.
Redaktion: Pfarrerin Julia-Rebecca Riedel
