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Kirche in WDR 5 | 21.07.2026 | 06:55 Uhr
Leuchttürme
Guten Morgen.
„Im letzten Jahr stand hier noch ein Leuchtturm. Heute sieht man nur noch das Fundament.“ Ein freundlicher Spaziergänger errät meinen fragenden Blick, mit dem ich auf den nackten Beton schaue, und klärt mich auf: „Neue Türme mussten her, weil die Fahrrinne an dieser Stelle breiter geworden ist. Es brauchte neue Orientierungspunkte für die Schiffe auf ihrem Weg in den Hafen.“
Auch unser Leben an Land braucht Leuchttürme, die die Richtung anzeigen. Das sind zum Beispiel Regeln in unserer Gesellschaft, Verordnungen, Gesetze. Verabredungen, wie wir gut miteinander umgehen möchten. Dazu kommen Traditionen in der eigenen Familie, Bräuche und Rituale, die weitergeben werden. Wir wachsen hinein in einen gemeinsamen Werterahmen. Und im Idealfall sorgen diese Orientierungspunkte für einen sicheren Kurs durchs Leben und schaffen Stabilität.
Ganz anders ein Stück Treibholz. Ihm ist es egal, ob ein Leuchtturm leuchtet oder gerade ein Schiff von vorne entgegenkommt. Es ist dem Wind, den Strömungen und der eigenen Beschaffenheit ausgeliefert.
Die Krisen und Verunsicherungen, die wir gegenwärtig erleben, lassen mich manchmal auch ziemlich heftig hin und her schaukeln – fast wie ein Stück Treibholz. Und gelegentlich hat es den Anschein, als ob alte vertraute Orientierungspunkte im Nebel verschwimmen.
Nicht nur Leuchttürme müssen gelegentlich versetzt werden. Auch der eigene Kurs im Leben braucht manchmal eine Veränderung. Aber wohin soll die Reise gehen, wenn das Ziel noch im Dunkeln liegt? Ein Schiff, das die Orientierung verloren hat, muss beidrehen. Das heißt: Die Fahrt verlangsamen, anhalten und erst einmal zur Ruhe kommen. Um dann neu Fahrt aufzunehmen.
Es gibt so etwas wie ein
himmlisches Beidrehen. Davon erzählen Geschichten in der Bibel.
Verschiedenste Menschen werden eingeladen
innezuhalten, anzuhalten, neu hinzuschauen und sich neu auszurichten. Manchmal
abrupt und unsanft, manchmal
spricht Gott mit leiser Stimme und kaum wahrnehmbaren Zeichen:
Wo die Zukunft noch nicht erkennbar ist, erzählt die Bibel von Hoffnung. Der Theologe Dietrich Bonhoeffer spricht von Optimismus. Und er meint damit jene Kraft, auch im trüben Nebel, im Sturm und in dunklen Zeiten den Kopf hochzuhalten. Rückschläge auszuhalten. Und trotzdem weiter an einer besseren Zukunft zu arbeiten.
Jesus selbst will ein Leuchtturm solcher Hoffnungen sein. „Ich bin das Licht der Welt“, sagt er. Ein Orientierungspunkt für meine eigene innere Kompassnadel.
Das Licht, von dem Jesus spricht, bedeutet Frieden, Trost und Liebe.
Jesus scheint mit seinem Licht dahin, wo ich nicht mehr weiß, woran ich mich halten soll, wo meine Geduldsfäden dünn und rissig geworden sind, wo mein Mut und meine Zuversicht schwächeln und gestärkt werden müssen. Damit ich mich auf den Weg mache, weitergehe. Und gemeinsam mit Anderen Zukunft gestalte.
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5: )
Licht und Hoffnung auf Ihrem Weg, Mut und Zuversicht für Ihr eigenes Leben wünscht Ihnen Pfarrer Thomas Warnke aus Detmold.
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
