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Kirche in WDR 2 | 08.01.2026 | 05:55 Uhr
Alles neu
Es soll so bleiben wie es ist. Das meine ich ernst. Es ist so wertvoll, wenn Gutes bleibt. Und manchmal ist auch das Vertraute das Gute. Ich möchte damit jetzt nicht den Ewig-Gestrigen das Wort reden. Aber es gibt so eine Sehnsucht bei mir und bei Dir vielleicht auch nach Beständigkeit. Gerade jetzt, wo sich so vieles rasend schnell verändert. Immer wieder neu und anders.
Ich habe seit Jahren ein Ritual. Auf halbem Weg mit dem Fahrrad ins Büro mache ich Pause in meinem Lieblingscafé. Ein Cappuccino und ein Glas Wasser, dazu ein warmes Croissant. So stelle ich mich auf den Tag ein.
„Siehe, ich mache alles neu!“ Das ist der Leitsatz für dieses Jahr. Die „Jahreslosung“ aus der Bibel aus der Offenbarung des Johannes (Kap.21, Vers 5). – Bitte nicht, denke ich, zumindest nicht morgens in meinem Café!
Die Menschen, für die der Satz vor 2.000 Jahren geschrieben wurde, die haben nicht morgens im Café gesessen. Es sind kleine Christengemeinden gewesen, die vom römischen Staat verfolgt wurden. Da hat man morgens manchmal nicht gewusst, ob man abends noch lebt.
Wenn Gott sagt: „Siehe, ich mache alles neu!“ ist die Botschaft: Hab Vertrauen, was im Leben auch passiert, du bleibst nicht allein. Und nicht Gewalt und Tod haben das letzte Wort, sondern Gott.
Und ich höre die Zusage: Gott kann das, was uns hier kaputtgeht, wieder neu zusammensetzen.
Ich denke an meine Eltern, die echt schauen müssen, wie sie das mit dem Altwerden hinbekommen. Sie machen das mit Würde und ich spüre so eine Haltung `Das Leben hat noch was mit uns vor´. „Siehe, ich mache alles neu“ – wie fühlt sich das an, wenn man nach 50 Jahren aus dem eigenen Haus in ein Seniorenstift umzieht?
Ich denke an Menschen heute, die eine schwere Krise erleben müssen. Da geht die Firma pleite, der Job ist weg. Da stirbt ein geliebter Mensch aus der Familie … Man muss sich irgendwie selbst neu erfinden – und ist eigentlich maßlos überfordert.
„Siehe, ich mache alles neu“. Ein Mutmacher. Ich wünsche uns allen den Mut, diesen Satz anzunehmen. Auch unserer Gesellschaft, die sich ja auch schwer tut mit den Umbrüchen.
Ich traue uns gemeinsam Veränderungen zu. Aber das setzt voraus, dass auch ich bereit bin, mir diese Hoffnung zusagen zu lassen. Gottvertrauen hilft dabei.
Ich werde drüber nachdenken, wo genau bei mir, wenn ich gleich beim Cappuccino im Café sitze …
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
