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Kirche in WDR 5 | 08.08.2026 | 07:55 Uhr
Route wird neu berechnet
Guten Morgen,
sind Sie gut unterwegs gerade? Und auch in etwa da, wo sie hinwollten? Selbstverständlich ist das nicht; eigentlich sogar eher ungewöhnlich. Man landet ja oft doch irgendwoanders. Und nein, ich nörgele jetzt nicht über die Bahn oder über kaputte Brücken.
Da fallen App und Navi ja oft doch noch ganz gute Vorschläge ein, dich wieder auf Kurs zu kriegen. Über Stock und Stein, und mit Schienenersatzverkehr, lotsen sie dich zurück auf den rechten Weg und zuletzt – wahrscheinlich zu spät – kommst du doch ans Ziel.
Blöd wird es nur, wenn das Hindernis in der errechneten Realität deiner allwissenden Helferlein einfach nicht vorkommt, weil die Straße ganz frisch gesperrt ist, oder die Störung noch nicht gemeldet. Dann leiten sie dich – ausnehmend höflich und wie immer sehr von sich überzeugt – immer neu in dieselbe Sackgasse.
Wenn du da raus willst, ist selbst denken, selbst entscheiden und zuletzt einfach ausprobieren gefragt. Genau so kommst du dann manchmal, an Orte und zu Menschen, die zu sehen und zu treffen du nie geplant hattest – und machst Erfahrungen, die willst du nicht missen.
Zum Beispiel beim Zwischenstopp in Istanbul Airport. Zehn Minuten vor Abflug verliere ich meine Boardkarte und den Reisepass. Doch, Glück gehabt. Direkt im ersten Shop, wo ich nachfrage, finden sie sich wieder. „Yes, die hat gerade eine Kundin hier abgeben, lagen wohl vorn bei T-Shirts“. Danke, Gott, für die ehrliche Finderin.
Oder auf einem Bahnhof irgendwo in Slowenien: Eine sehr zierliche ältere Dame im Trachtenkleid steht da, mit selbstgebundenen Trockensträußen. Spätabends treffen wir sie, als wir mit vier kleinen Kindern den letzten Zug Richtung München verpassen. Und während wir Erwachsenen panisch nach Alternativen googlen unterhält sie sich liebevoll mit meiner kleinen Tochter. Die kann kein Wort Slowenisch und die alte Dame kein Wort Deutsch. Aber die zwei verstehen sich prächtig.
Und ich denke an die Warnung von Bilbo Beutlin, an seinen Neffen Frodo, in Tolkiens „Herr der Ringe“. Die ist eigentlich ein Versprechen: „Es ist eine gefährliche Sache, Frodo, aus der Tür hinauszugehen […] Du betrittst die Straße, und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen.“
Oder mit der Bibel gesprochen: „Des Menschen Herz plant seinen Weg, doch Gott lenkt seinen Schritt“.
So ist es wohl, und das ist manchmal echt unheimlich, immer ein großes Geheimnis und oft auch einfach großes Glück.
Und was immer das Glück auch sonst noch sein mag, eins jedenfalls ist es nicht: planbar. Es lässt sich nicht tracken. Ich kann‘s mir nicht ranzoomen, wenn es sich gerade nicht sehen lässt und schon gar nicht kann ich mir`s hochrechnen lassen als Quersumme meiner bisherigen Entscheidungen und Vorlieben.
Weiß ich eigentlich auch. Schade nur und einfach dusselig, dass ich trotzdem immer mehr Zeit dabei verbringe, mir von allerlei technischen Geräten genau das weismachen zu lassen.
Statt im Vertrauen auf Gott, den Kopf aus der Tür zu strecken und die Straße unter die Füße zu nehmen.
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5: )
Einen überraschenden Tag wünscht Ihnen. Ihr Jan-Dirk Döhling aus Schwerte
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
