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Kirche in WDR 5 | 27.07.2026 | 06:55 Uhr
Jedes Menschenleben ist heilig
Es war der erste CSD in Berlin, den Rosa von Praunheim nicht mehr miterlebt hat. Im Dezember ist der Filmemacher gestorben. Er, der so viel bewegt hatte in Deutschland, dass queere Menschen zu ihren Rechten kommen.
Als ich gestern Morgen von dem schrecklichen Attentat in der Nacht des Berliner CSDs gehört habe, da dachte ich gleich an Rosa von Praunheim und an seinen Film: „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“. Vor 55 Jahren kam er in die Kinos.
Die Situation, in der queere Menschen heute in Deutschland leben, die hat sich gewandelt. Allein die rechtliche Gleichstellung, aber auch die allgemeine Akzeptanz: Die Berliner Parade ist jedes Jahr das Aushängeschild für Vielfalt, Selbstbestimmtheit, Toleranz. In diesem Jahr unter dem Motto „Haltung ist hot“. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – heißt es im deutschen Grundgesetz. Und jede CSD-Parade spricht auch davon. Queersein ist ok, nicht pervers.
Und dann rast am Samstagabend jemand mit dem Auto in die Feiernden beim CSD. Eine Tote, mehrere Verletzte – Stand gestern Mittag. Die Anzeichen verhärten sich, dass das geschah aus Hass auf queere Menschen – aus religiösen Gründen.
Das ist pervers: Wenn Menschen andere Menschen, die anders sind, so hassen, dass sie wünschen, sie sollen nicht mehr leben. Und wenn sie dann auch noch davon überzeugt sind, Gott sei in diesem Wunsch auf ihrer Seite. Das ist ein Denken, das ich als glaubender Mensch nicht unkommentiert lassen will.
Gott ist Liebe. Punkt.
Hass ist krank und macht eine Gesellschaft krank...und eine Religion auch.
Nun weiß ich natürlich: Ich bin Katholik und sitze da auch
im Glashaus.
Manche würden sogar sagen:
in einer Kathedrale aus Queerfeindlichkeit. Erst kürzlich habe ich in einem
queeren Segnungsgottesdienst musiziert. Und da habe ich wieder die Verwundungen
mitbekommen, die viele queere Menschen in sich tragen durch eine Kirche, die
sie aussortiert. Durch vermeintliche „Rechtgläubige“, die schnell dabei sind,
auszugrenzen, zu hassen, Dinge pervers zu nennen oder „unrein“.
Und deshalb ist mir eine Stelle in der Bibel so enorm wichtig. Der Apostel Petrus bekommt in einer Vision seine ganze religiöse Orientierung durcheinandergewirbelt. Kurz bevor er den ersten Nicht-Juden tauft, er war ja selbst Jude, erkennt Petrus etwas, das größer ist als alle religiösen Schubladen. Er sagt: „Mir aber hat Gott gezeigt, dass man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf.“ (Apg, 10,28). Ein Hammer-Satz. Denn er sagt: Jedes Menschenleben ist heilig. Niemand ist unrein, unkosher, haram – oder wie das in den Sprachen der Religionen heißt.
Liebe ist göttlich. In allen Farben.
Nachdenklich grüßt Sie aus Köln, Klaus Nelißen
