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Kirche in WDR 4 | 01.01.2026 | 08:55 Uhr
Mal wieder ein Lagerfeuer machen …
Wenn ich „Lagerfeuer“ höre, dann läuft bei mir sofort das Kopfkino an. Ich erinnere mich da sofort an meine Pfadfinder-Zeit und an die Nachtwachen beim Zeltlager. An Stockbrot und Singen mit der Klampfe. Das Lagerfeuer hat nicht nur gewärmt, sondern hat Sicherheit gegeben in der Dunkelheit. Bei „Lagerfeuer“ denke ich aber auch an die Kartoffelernten im Herbst. Die hatten regelmäßig damit geendet, dass wir nach Sonnenuntergang am Feldrand ein kleines Feuer machten. Und in das haben wir die auf dem Acker liegen gebliebenen Kartoffeln gelegt. Wenn die dann außen völlig verkohlt waren, haben wir die aus der Glut geklaubt, hastig aufgebrochen, um uns nicht die Pfoten zu verbrennen. Dann haben wir den weichen, nach Rauch und Asche schmeckenden Kern gegessen. Wie gesagt: Bei „Lagerfeuer“ kommt ganz viel Schönes in mir hoch.
Aber soll ich ehrlich sein? Obwohl ich so viel Angenehmes damit verbinde: Ich habe seit Jahren kein Lagerfeuer mehr gemacht. Weil ich seit Jahren nicht gezeltet habe. Weil unsere Kinder mittlerweile aus dem Stockbrot-Alter raus sind. Und weil wir die Kartoffeln schon lange nicht mehr vom Acker holen. Geblieben ist nur diese schöne Erinnerung. Und wenn ich dann ein Lagerfeuer sehe in irgendwelchen Filmen, auf irgendwelchen Fotos, dann denke ich mir: „Ach ja, das war schon schön damals.“
Mit meinem Glauben und meiner Kirche geht es mir manchmal übrigens ganz ähnlich. Da gibt es auch Manches, dass ich nur noch erinnere. Von dem ich ein Bild im Kopf habe – das allerdings mit meinem Leben heute nicht mehr viel zu tun hat. Die Pfingst-Prozession in meinem Geburtsort beispielsweise: 5 Kilometer von Neuenkleusheim über Stachelau nach Rehringhausen. Mit anschließend eisgekühlter Fanta in der Kneipe bei Püttmanns. Bin ich seit Jahren nicht mehr mitgegangen. Obwohl das früher immer ein Erlebnis war. Oder wenn ich daran denke, dass wir früher im Advent regelmäßig Sonntag für Sonntag mit der Familie um den Adventskranz gesessen und Lieder gesungen haben. Es gibt jedenfalls ganz viele solcher Erlebnisse. Und mein Eindruck ist: Die gibt es nicht nur bei mir. Die gibt es bei ganz vielen Menschen. Mein Eindruck ist aber auch: Diese vielen Menschen machen das gleiche, was auch ich mache. Ich rahme meine Erinnerungen und stelle sie auf die Kommode oder ich hefte sie in ein Album. Jedenfalls mache ich sie nicht wieder lebendig. Vielleicht, weil ich einfach nur zu bequem bin. Vielleicht auch aus Sorge, enttäuscht zu werden. Weil die wiederbelebten Erinnerungen dann doch nicht mehr so schön sind. Oder aber auch, weil ich mich vor dem fürchte, was die anderen denken – wenn ich da plötzlich wieder bei der Pfingstprozession auftauchen würde zum Beispiel. Oder Adventslieder singen möchte. Aber eigentlich war das damals alles viel zu schön, um das Erlebte nur in der Vergangenheit zu belassen. Mein Vorsatz fürs neue Jahr deshalb: Mal wieder ein Lagerfeuer machen. Im tatsächlichen wie im übertragenen Sinne. In alltäglichen wie auch in Glaubensdingen. Denn: das wärmt.
