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Kirche in WDR 4 | 08.05.2026 | 08:55 Uhr
Tag der Befreiung und Weltrotkreuztag
08. Mai. Zwei Gedenktage gibt es heute. Den Tag der Befreiung von der nationalsozialistischen Diktatur und den Weltrotkreuztag. Henry Dunant, Gründer des Roten Kreuzes wurde vor fast zweihundert Jahren am 8. Mai 1828 geboren. 1901 erhielt er den Friedensnobelpreis. In seinem Buch "Un Souvenir de Solferino" von 1862 schildert er das schreckliche Elend der Verwundeten bei der Schlacht von Solferino zwischen Frankreich und Österreich. Sein Engagement bewirkte schon bald die Genfer Konventionen von 1864, internationale Abkommen zum Schutz der Verwundeten und Kranken in Kriegen. Mehrfach erneuert bilden sie mit der Haager Landkriegsordnung und weiteren Ergänzungen später die Grundlage für die Behandlung von Kriegsgefangenen und den Schutz der Zivilbevölkerung bis heute. Wie weit sich die kriegführenden Staaten daran halten, erfahren wir leider fast täglich in den Medien.
Am
8. Mai 1945 geschah die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht.
Der schreckliche Zweite Weltkrieg war zu Ende.
Der
Tag der Befreiung von der nationalsozialistischen Diktatur ist nationaler
Feiertag in Frankreich, Tschechien und der Slowakei. Auch
im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern ist es ein staatlicher Gedenktag;
allerdings ist er nicht arbeitsfrei.Was
lässt sich aus beiden Gedenktagen lernen? Zuallererst fordern sie auf, aus
der Geschichte zu lernen. Mit dem Tag der Befreiung wird klar, dass die
Befreiung von der Diktatur des Dritten Reiches nicht ohne Gewalt möglich war.
Für mich als Christ ist zum einen der grundsätzliche Pazifismus Jesu
wichtig. Schließlich sagt er in der Bergpredigt sogar: "Liebet Eure
Feinde". Zum andern macht der heutige Tag klar, dass dem Bösen nicht nur
mit gutem Willen widerstanden werden kann, sondern im Notfall auch Gewalt
nötig ist. Leider. Auch die alte Lehre vom gerechten Krieg kommt wieder in
den Blick. Wehren darf sich, wer angegriffen wird. Wobei die Wiederherstellung
des Friedens das Ziel bleiben muss.
Der andere Gedenktag, der Weltrotkreuztag, ist ein Tag des Humanismus, der Menschlichkeit. Aus Mitleid hat Henry Dunant sein Buch vor über hundertfünfzig Jahren geschrieben, seine Empathie bewegt bis heute. Mich auch. Als ich darüber nachdachte, was ich heute sagen sollte, wollte ich zuerst die beiden Gedenktage übersehen. Doch das wäre nicht fair angesichts der vielen Kriege in der Welt. Wenigstens dran denken, auch wenn das nicht viel ist.
