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Kirche in WDR 2 | 02.10.2026 | 05:55 Uhr
Hass? Liebe!
Hass hat einen kurzen Weg. Ein Wort. Ein Blick. Ein Klick. Und schon greift er um sich. Hass braucht nicht viel. Meistens einen Schuldigen. Einen Menschen, der vielleicht etwas anders ist. Eine Person, auf die wir zeigen und urteilen können: Schuldig!
Ich lese gerade das Buch der Journalistin und Aktivistin Seyda Kurt mit dem Titel: „Hass. Von der Macht eines widerständigen Gefühls“. Darin beschreibt sie dieses ´knirschende, zersetzende Gefühl, das derzeit allgegenwärtig ist´. Im Netz ebenso wie auf der Straße. In öffentlichen Debatten wie in kleinen Begegnungen. Hass schafft es, dass aus Menschen Feinde werden. Dass Verschiedenheit als bedrohlich wahrgenommen wird. Und er tarnt sich gekonnt. Als Spott, Lästerei, Kommentar oder Gedanke. Bis ins eigene Herz kann er vordringen, wenn wir nicht aufpassen. Seyda Kurt wagt die These, dass Hass nicht nur zerstörerisch ist, sondern einen Moment der Ermächtigung enthalten kann, den es ernstzunehmen gilt.
Die Bibel setzt dem eine klare Aufforderung entgegen: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!“ Schöne Idee, aber wie kann das gehen im echten Leben? Sich nicht vom Bösen überwinden lassen, kann heißen, Verantwortung zu übernehmen für das, was um mich herum passiert. Genau hinsehen und hinhören, wenn Antworten zu einfach und hasserfüllt werden. Wenn für komplexe Fragen Schuldige gesucht und vermeintlich gefunden werden. „Lass dich nicht vom Bösen überwinden“ heißt: Nimm den Hass in seiner unterschiedlichen Tarnung wahr. Und widersprich ihm, wo du ihn entdeckst.
„Überwinde das Böse mit Gutem“ heißt: Suche nach dem, was euch als Menschen verbindet. Ein Wort weniger, das verletzt. Ein Wort mehr, das berührt. Das Gute ist oft leise. Aber nicht schwach. Wir können uns in jedem Moment entscheiden, was wir stärken möchten: einen ausgrenzenden Satz oder einen, der verbindet? Einen verächtlichen Blick oder ein freundliches Lächeln? Wenn der Hass einen kurzen Weg hat, nimm bewusst den längeren. Vielleicht kann so die Welt etwas menschlicher, liebevoller werden. Die christliche Antwort auf unsere Fähigkeit zu hassen ist: lieben! Lieben, wo es nur geht – verbunden mit der Hoffnung und dem Vertrauen darauf, dass die Liebe stärker ist.
Quellen:
https://seydakurt.de/
https://www.harpercollins.de/products/hass-von-der-macht-eines-widerstandigen-gefuhls
https://www.evangelisch.de/inhalte/258630/31-08-2026/kirchen-betonen-menschenwurde-und-warnen-vor-spaltung
https://demokratie-evangelisch.de/aktuelles/kirche-gegen-den-hass/
Zuletzt aufgerufen am 31.08.2026
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
