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Kirche in WDR 5 | 20.02.2026 | 06:55 Uhr
sozial gerecht
Guten Morgen!
Irgendwo ist einer, der nicht weiß, was er morgen essen soll.
Irgendwo sitzt eine Familie in einer viel zu kleinen Wohnung, die sie kaum noch bezahlen kann.
Irgendwo sitzt ein Kind im Klassenzimmer und versteht nichts, weil niemand Zeit hat, sich zu kümmern.
Irgendwo hat eine zwei Jobs und kommt trotzdem nicht über die Runden.
Irgendwo wartet einer auf einen Bescheid, der über sein ganzes Leben entscheidet.
Irgendwo steht einer zum Einkaufen bei der Tafel und schämt sich, obwohl er sein Leben lang gearbeitet hat.
Irgendwo stirbt ein Mensch an einer Krankheit, die längst hätte behandelt werden können, wenn er die Medikamente bezahlen könnte.
Irgendwo schuften einige würdelos, damit andere reich werden.
Irgendwo fährt kein Bus mehr, weil es sich nicht rechnet.
Irgendwo verliert einer seinen Job, weil die Zeiten sich geändert haben.
Dieses „Irgendwo“ ist nicht abstrakt und manches davon ist näher, als wir denken.
Heute ist der Tag der Sozialen Gerechtigkeit. 2009 haben die Vereinten Nationen diesen Tag ausgerufen. Seitdem wird jedes Jahr am 20. Februar an die soziale Ungerechtigkeit in der Welt erinnert. Und dazu aufgerufen, dass wir sie überwinden.
Soziale Gerechtigkeit gehört zu den Menschenrechten und ist eine wesentliche Grundlage für Frieden.
Soziale Gerechtigkeit bedeutet, dass Chancen, Rechte und Mittel zum Leben nicht vom Zufall abhängen sollten: nicht vom Geburtsort, nicht vom Einkommen der Eltern, nicht vom Glück oder Pech eines Lebenswegs.
Und so geht es bei sozialer Gerechtigkeit darum, alles fair zu verteilen: Geld, Arbeits- und Bildungschancen sowie Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Gesellschaft.
Denn: Wenn
Ungleichheit wächst, fühlen sich viele abgehängt. Vertrauen
schwindet, Spaltungen entstehen. Eine Gesellschaft, die gerecht sein will, muss
sich selbst immer wieder fragen:
Wer bleibt zurück? Wer wird übersehen? Wer trägt die Lasten, und wer profitiert?
Der christliche Glaube drückt sich darin aus, dass ich mich für andere einsetze. Dazu gehört der Einsatz für die Gerechtigkeit für alle Geschöpfe Gottes auf der Welt.
Aber dieser Gedanke ist nicht nur religiös. Viele Menschen, unabhängig von ihrem Glauben, teilen die Überzeugung, dass eine Gesellschaft menschlicher wird, wenn wir einander sehen, einander zuhören und einander unterstützen.
Vielleicht beginnt soziale Gerechtigkeit genau dort, wo das „Irgendwo“ zu einem „Hier und Jetzt“ wird.
Wo wir sagen:
Du fühlst dich allein? Hier ist ein Ort, wo jemand Zeit für dich hat.
Hier musst du dich nicht erklären,
warum du müde bist, erschöpft, überfordert.
Hier ist ein Ort, an dem dein Alltag nicht klein geredet wird
und deine Sorgen nicht zu viel sind.
Hier ist ein Ort, wo du einmal durchatmen kannst,
auch wenn du zwei Jobs jonglierst
und trotzdem kaum über die Runden kommst.
Hier ist ein Ort, wo auch die nicht vergessen werden,
die weit weit weg sind.
Hier ist ein Ort, an dem du nicht bewertet wirst nach dem, was du besitzt,
sondern wo als Mensch gesehen wirst. Mit deiner Geschichte, deinen Hoffnungen,
deiner Würde.
Dass soziale Gerechtigkeit genau hier und jetzt beginnt, das wünsch ich mir.
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und WDR 5: )
Pfarrerin Anne Wellmann aus Tönisvorst.
Quellen: (letzter Abruf der Links 24.01.26)
https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/327336/welttag-der-sozialen-gerechtigkeit/
https://www.ekd.de/070510_huber_berlin_sozialer_protestantismus.htm
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
