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Kirche in WDR 5 | 04.09.2026 | 06:55 Uhr
Ökumenischer Schöpfungstag
Guten Morgen.
Wenn einmal im Jahr der große Bus an unserem Kindergarten vorfährt, dann herrscht bei den kleinen Leuten große Aufregung – wir fahren ins Moor. Wir treffen dort einen Schäfer – aber von vorn.
Erstmal geht es zum großen Schafstall. Im Sommer ist der leer – die Schafe sind die ganze Zeit über draußen auf den Moorweiden. Aber am Stall gibt es noch mehr zu entdecken: zuerst das Storchennest. Rührigen Naturschützern ist es gelungen, über 80 Storchenpaaren in unserer Region wieder einen Lebensraum zu geben. Die Kindergartenkinder stehen staunend vor dem alten Telegraphenmast. Auf seiner Spitze sehen sie das große Storchennest: Zwei kleine Storchenkinder schauen manchmal über den Rand. Wir gehen weiter zur nächsten Station. Eine Sitzecke, wo die Kinder ihre Verpflegung auspacken und etwas zur Ruhe kommen. Für mich die beste Gelegenheit, meine Geschichte zu erzählen: die Geschichte vom guten Hirten und seinem verloren Schaf aus der Bibel. Der Hirte zählt abends seine Schafe durch und merkt: Da fehlt eins! Er treibt seine Schafe im Pferch zusammen, schließt das Gatter und macht sich sofort auf die Suche. Das kann anstrengend werden, vor allem, wenn man bald nichts mehr sieht, weil es immer dunkler wird. Aber der Hirte kennt die Stimmen seiner Schafe. Er hört sofort, wenn ein Schaf um Hilfe ruft – und wenn die Stimme auch noch so dünn und verzagt ist. Der gute Hirte hört das. Deswegen findet er das Schaf auch nach einiger Suche. Es hat sich im Gestrüpp verfangen. Vorsichtig nimmt er es auf den Arm und bringt es zurück zur Herde. Und ich sage den Kindern: So wie der gute Hirte – so ist Gott. Und so geht sein Sohn Jesus mit uns Menschen um.
Und kaum habe ich meine Geschichte zu Ende erzählt und die Kinder ihre Butterbrote aufgegessen, schon steht der Schäfer vom Moor neben uns und führt uns zu seinen Schafen. Die Herde steht ein paar hundert Meter entfernt vom Schafstall, grast friedlich auf der Moorwiese, da sausen die beiden Schäferhunde an uns vorbei. Die Schafe müssen auf eine andere Wiese umgetrieben werden. Der Schäfer ruft seinen Hunden Kommandos auf Englisch zu. Die beiden Schäfer-Collies wurden nämlich in Schottland trainiert und können offensichtlich kein Deutsch. Staunend schauen sich die Kindergarten Kinder das ganze Spektakel an. Der Schäfer erklärt ihnen, dass die Schafe kleine Birken fressen. Die wachsen auf den Moorwiesen wie Unkraut. Und wenn die von den Schafen nicht abgebissen würden, dann gäbe es bald kein Moor mehr, sondern nur noch einen Birkenwald.
Wie der gute Hirte aus der Geschichte in der Bibel, so kümmert sich der Schäfer aus dem Moor mit seinen Schafen um das Leben. Hier um den Erhalt der Moorlandschaft. Heute, am ersten Freitag im September, ist ökumenischer Schöpfungstag. Da tut es einfach gut, daran zu erinnern: an gute Hirten und Hirtenhunde und Schafe, und wie sie alle zusammen am Erhalt der Schöpfung mitarbeiten.
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5 :)
Ich wünsche Ihnen allen einen guten Tag - Ihr Eberhard Helling, Pfarrer aus Lübbecke.
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
