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Kirche in WDR 3 | 04.06.2026 | 07:50 Uhr
Fronleichnam
Der Frühling ist reich an langen Wochenenden. Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Fronleichnam: und dann noch die Brückentage.
In meiner Schulzeit habe ich mich schon allein deswegen über diese Feiertage gefreut. Aber als Messdiener war zu Fronleichnam die Freude für mich besonders groß. In meiner Heimat gab es damals noch eine große Prozession, an der gefühlt das ganze Dorf teilnahm und die entsprechenden Straßen waren reich mit unterschiedlichen Fähnchen geschmückt. Später habe ich dann erlebt, dass mancherorts sogar auf den Straßen und Wegen besondere Bilder mit Blütenblättern gelegt werden. „Unser Dorf soll schöner werden“? An Fronleichnam war das oft so – und ist es noch immer. Besonders an diesem Feiertag wird vielerorts das alltägliche Straßenbild in eine festliche Farbenpracht gehüllt, die diesem Tag einen besonderen Glanz verleiht.
Der Gottesdienst und die Prozession sind für mich bis heute ein Highlight des Jahres. Wenn dann unterschiedlichste Menschen vereint zu einer Prozession durch die Straßen ziehen unter Gesängen und vielerorts begleitet durch eine Kapelle, dann erscheinen auch die alltäglichen Wege in einem ganz anderen Licht. Diese Wandlung ist für mich der eigentliche Glutkern des Festes. Das Zentrum der Prozession bildet ja auch die gewandelte Hostie, der Leib des Herrn, woher auch die Bezeichnung des Festes als „Fronleichnam“ kommt. Aus katholischer Sicht wird bei diesem Fest sichtbarer als sonst, dass Gott auch auf unseren alltäglichen Straßen unterwegs ist. Anders formuliert: dass ich ihn auch auf meinen ganz alltäglichen Wegen finden kann. Wenn sich eine Prozessionsgemeinde bildet, in der unterschiedliche Generationen dabei sind und die Prozessionsordnung die alltäglichen Rollen aufhebt, lässt sich eine Einheit erleben, die im Alltag häufig durch die Vielfalt der Funktionen und Rollen untergeht.
Damit ist dieses Fest für mich viel mehr als traditionelles Brauchtum, das es zu überliefern gilt. Das wäre viel zu wenig. Ich glaube, alle Menschen brauchen von Zeit zu Zeit Tage, die mehr sind als Alltag. Gerade zu diesen Zeiten erkenne ich erst richtig, wofür der Alltag da ist. Die alltäglichen Wege, die zu Fronleichnam an manchen Orten festlich geschmückt sind, sind aus der Sicht des Glaubens nicht bedeutungslos. Auf ihnen findet ein großer Teil meines Lebens statt. Wenn ich Christ bin, dann sind es diese Wege, auf denen ich Jesus nachfolge, und nicht nur Pilgerwege zu scheinbar besonders heiligen Orten. Heilige Orte und heilige Zeiten machen aber erst richtig deutlich, dass sich ein Leben aus dem Glauben im ganz normalen Leben verwirklicht. Ein Fest wie Fronleichnam ist deshalb für mich eine regelrechte Ladestation für den Alltag.
Auch wenn für Sie vielleicht heute kein langes Wochenende beginnt, wünsche ich Ihnen einen inspirierenden Feiertag, mit dem auch der Alltag an Farbe gewinnt. Manuel Klashörster aus Delbrück.
