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Kirche in WDR 4 | 21.08.2026 | 08:55 Uhr
Gottesdienst?
Guten Morgen.
Laut einer Umfrage gehen 64% aller Deutschen nie in eine Kirche, eine Moschee oder Synagoge. Also fast Zweidrittel erleben nie eine religiöse Feier. (1)
Das hat natürlich Ursachen. In unserer Gesellschaft wird seit Jahrzehnten Religion immer unwichtiger. Man kann auch ganz gut ohne Gott und Kirche glücklich sein. Gottesdienste oder Taufe, Konfirmation oder Hochzeit scheinen nicht mehr notwendig zu sein. Und wenn sich das einmal in einer Generation verfestigt hat, dann wird Glauben oder Religion auch nicht mehr in den Familien weitergegeben. Man sucht Sinn eher in persönlichen Projekten oder in menschlichen Beziehungen. Oder man hat das Vertrauen in die religiösen Institutionen verloren. Es gab und gibt Skandale. Manche empfinden die Strukturen als veraltet und auch so manche Sprache und Form in den Gottesdiensten.
Nun aber genug vom Abgesang auf die Kirchen und andere Religionen. Ich gehöre zu den 6%, die jeden Sonntag in einen Gottesdienst gehen. Auch wenn ich nicht in einer Gemeinde arbeiten muss. Und ich bin meistens ein begeisterter Kirchgänger. Deshalb kommt hier ein Plädoyer für den Gottesdienst. Ein paar Gründe, warum ich in den Gottesdienst gehe:
Ohne Sonntag gibt es nur noch Alltag. Für mich ist der Sonntag mit einem Gottesdienst immer eine deutliche Unterbrechung des Alltages. Er ist eine Pause von Stress, Konsum und Termindruck. Dieser Tag wird gefeiert und am besten mit einem Gottesdienst.
Ich freue mich auf die Menschen in meiner Gemeinde. Es sind eben nicht Arbeitskollegen, Nachbarn oder irgendwelche Freunde. Nicht umsonst redet man sich in manchen Kirchen mit „Geschwister“ an. Schwester und Bruder kann ich mir nicht aussuchen, aber mit ihnen bin ich auf eine wunderbare Weise verbunden. Und in der Regel ist diese Gemeinschaft viel bunter als andere Gruppen, in denen ich mich sonst bewege.
Dann erwarte ich von einem Gottesdienst
eine Begegnung mit Gott. Klingt ganz schön abgehoben, passiert mir aber
regelmäßig. Mal durch einen Vers aus der Bibel, einen Gedanken aus der Predigt,
eine Liedzeile oder durch ein Gespräch mit jemandem
aus der Gemeinschaft. Da kommt Gott mir oft näher. Ich kann im Gottesdienst
meine Dankbarkeit ausdrücken und meine Sorgen teilen. Ich erlebe im
Gottesdienst auch Stille, Besinnung und Orientierung. Ich fühle mich meistens
danach gestärkt und neu motiviert.
Und noch was zum Thema: „Gottesdienste sind altbacken“. Ich habe so viele
verschiedene Gottesdienste erlebt. Da gibt
es traditionelle, festlich-liturgische oder ganz lockere. Aber es gibt auch
Gottesdienste, da denkt man zunächst, man
wäre in einem Club: Laute Musik und abstrakte Videoeinspielungen, also Visuals
auf der riesigen Leinwand vorne, junge Leute mit coolen Klamotten erzählen in
ganz normaler Sprache etwas von Gott. Ich denke, für fast alle Vorlieben gibt
es eine Gottesdienstform.
Zum Schluss: Man könnte es ja mal ausprobieren, mal in einen ganz anderen
Gottesdienst gehen, nächsten Sonntag?
Ihr Pastor Heddo Knieper aus Hamm, na dann.
Quellen:
(1) WAZ vom 22.9.2023.
(2) Gute Nachricht Bibel, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
