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Kirche in WDR 3 | 10.02.2026 | 07:50 Uhr
Breetlook! - ein Mutausbruch
Eines meiner Lieblingswörter ist
„Breetlook!“. Breetlook bedeutet breites Lauch und ist nichts anderes als
Suppengrün.1934 wurde die Porreestange zum
karnevalistischen Symbol hier in Hüls, einem Stadtteil von Krefeld.
Zu verdanken ist
dies dem Hülser Ur-Karnevalisten Jakob Husmans. Aber: warum Breetlook? Da
müssen wir 400 Jahre zurückspulen. Sechs Jahre vor Ende des Dreißigjährigen
Krieges sollte Hüls von der gefürchteten Bande des "Roten Dieter"
überfallen werden. Die Hülser aber hatten keine Waffen. Der Amtmann der Hülser
Burg hatte die zündende Idee, naja, eher die „glitischige“: Er ließ die
Marktfrauen - die Trinas - auf dem vorher mit Wasser besprengten Marktplatz
Breetlook auslegen. Darauf rutschten die Pferde der Angreifer aus. Also: Dem Lauch sei dank - "Breetlook". Und dass der
Karneval bis heute hier sprießt, dafür tun verschieden Gruppen und Vereine
Ihres dazu. Der Sitzungskarneval für und mit Groß und Klein hat seinen Platz
Mitten in Hüls und in den Haushalten. Wie in so vielen Städten, in denen der
Karneval auch auf dem Dung kirchlicher Gemeinden wächst. Aber: Hier in Hüls verliert
das Brauchtum mit der Schließung eines großen Saals eines seiner Plätze, Mitten
im Herzen des Stadtteils.
Wo alle vom Auseinanderfallen der Gesellschaft sprechen: Ein Stadtteil, ein Viertel, ein Dorf braucht Räume, in denen Menschen sich versammeln können, feiern können, sich kennenlernen können. Und das gilt für alle Gebiete des Karnevals: Alaaf, Helau, Klapatüt, Ahoi und, und, und. Viele Talente hat der Karneval gefördert und hervorgebracht. Kabarettisten, Bands, Veranstaltungstechnikerinnen, Menschen mit Organisationstalent und Frohsinn. Was wäre die Welt ohne Sie? Kneipensäle, Gemeindesäle und Pfarrsäle braucht die Welt. Aber sie schließen an allen Ecken und Plätzen. Und die Kirche? Auch sie steht vor der Frage: Was wird aus den Gebäuden? Ich hätte da eine Idee, die man nachmachen kann: Machen Sie es wie eine Gemeinde in Krefeld Süd vor einiger Zeit. Laden Sie alle Vereine, Organisationen, bürgerschaftliches Engagement und alle Interessierten ein zu einem Zukunftsforum. Und stellen die Frage: Was fehlt? Was wird gebraucht? Und wer hat Lust mitzudenken? Und ich wette, sie werden Menschen finden, die mit überlegen und mit anpacken. Der Amtmann im 30 jährigen Krieg hatte eine Idee und konnte die Trinas, die Marktfrauen, anstecken. Und so wurde Hüls vor dem Überfall der Bande des "Roten Dieter" bewahrt.
In zwei Tagen ist Altweiber und damit auch die Hochzeit des Karnevals. Ich wünsche Ihnen - ob sie nun karnevalistisch infiziert sind oder nicht – offene Ohren für die Töne aus der Bütt, offene Augen für die Hinweise auf den Mottowagen und Fußgruppenschildern und den Mut Ihren Karnevalsruf lauthals zu rufen. Auf alle Menschen, die Ideen haben und diese mit anderen in einem Mutausbruch umsetzten, rufe ich eines meiner Lieblingswörter zu. Ein dreifach donnerndes: Breet-look, Breet-look, Breet-, Breet-, Breet, -look,-look,-look!Ihre Anne Hermanns-Dentges, Gemeindereferentin im Krefelder Süden
