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Sonntagskirche | 11.01.2026 | 08:55 Uhr
Game Designer
Guten Morgen. „Du musst dem Tier einen Namen geben, dann kann es nicht mehr weglaufen“, erklärt mir Lennard. „Interessant“, denke ich und stehe direkt vor der nächsten Frage: „Und wie geht das?“ Verwirrt schaue ich auf den kleinen Joystick und mühe mich ab, ihn zu bedienen. Als bemühte Tante gebe ich gerade mein Bestes, um die Begeisterung meines Neffen für sein Computer-Spiel nachzuvollziehen. Ich habe schon gelernt, dass man natürlich heutzutage nicht mehr Computerspieler sondern „Gamer“ ist, wenn man bunte Wesen über den Bildschirm scheucht. Die Dinge beim richtigen Namen zu nennen ist seeehr wichtig. Sonst hat man direkt das Gelächter eines Pubertierenden auf seiner Seite.
„Du brauchst einen Amboss. Darauf kannst Du dann das Namensschild schreiben“, bekomme ich erklärt. „Aha“, denke ich. Einen Amboss. Man braucht also ein antikes Werkzeug für moderne Namensgebung in Pixelzeiten.
Schon spannend, was sich Spieleentwickler, die heute ja „Game Designer“ heißen, da ausgedacht haben. Zum einen wie kompliziert es ist, jemandem einen Namen zu geben. Wie im wahren Leben: Wer jemals für sein Kind, Haustier oder wen auch immer einen Namen gesucht hat, weiß wovon ich rede.
Und zum anderen: Wenn ich dem Tier einen Namen gebe, dann gehört es zu mir und kann nicht mehr weglaufen.
Ob dem Game Designer bewusst war, was das für ein biblischer Gedanke ist? In der Bibel steht, dass Gott zu den Menschen sagt: „Fürchte dich nicht. Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du gehörst zu mir.“ (Die Bibel, Jesaja 43,1) Wenn ich Kinder taufe, dann sage ich laut ihren Namen - als Zeichen dafür, dass Gott sie kennt und um ihr Leben weiß. Dass sie gesehen werden von dem, der laut dem alten Propheten Jesaja sogar alle Sterne zählt und ihre Namen kennt. (Die Bibel, Jesaja 40,26)
Na gut. Anders als die Geschöpfe im Spiel, kann man natürlich immer noch weglaufen, wenn man getauft ist. Ich bin - wie wahrscheinlich viele von Ihnen, liebe Hörerin, lieber Hörer, als kleines Kind getauft worden. Ich hätte mich im Laufe meines Lebens natürlich auch gegen meinen Glauben entscheiden können. Aus irgendeinem Grund hat mein himmlischer Game Designer vorgesehen, dass es viele Arten gibt zu glauben. Und auch jede Freiheit, seinen Weg ohne den Gedanken an einen Gott zu gehen.
Aber mir gibt es Kraft zu wissen: Selbst, wenn mich Menschen einmal vergessen werden - bei Gott ist mein Name fest eingeschrieben.
Am heutigen Sonntag wird in vielen evangelischen Kirchen Tauferinnerung gefeiert. Man kann ans Taufbecken treten, bekommt mit Wasser ein Kreuzzeichen in die Hand gemalt und dazu einen Segen. Wer mag, kann so nachspüren: „Ich bin getauft. Ich gehöre zu Gott.“
Haben Sie eigentlich schon mal die Bedeutung Ihres Namens gegoogelt? Ich mache das oft mit Jugendlichen. Und nicht selten staunen wir, wie gut Namen passen. Auch wenn man weiß, dass meistens die Eltern ihn ausgesucht haben - manchmal fragt man sich dann doch, ob der himmlische Game Designer nicht auch seine Finger im Spiel hatte. Meine Eltern haben mich Daniela genannt. Ein hebräischer Name. Zu Deutsch: Gott ist mein Richter. Ich bin Pfarrerin geworden - und Sie so? Schreiben Sie mir doch gerne! Gesegneten Sonntag!
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
